Wirtschaft

Wem gehört EnBW? Land, Landkreise und der Mappus-Deal

Wem gehört EnBW – Infografik: Land Baden-Württemberg und der Zweckverband OEW halten je 46,75 Prozent

Wem gehört EnBW? Deutschlands drittgrößter Energiekonzern gehört fast vollständig der öffentlichen Hand – aber gleich zwei Eigentümern: Das Land Baden-Württemberg und der Landkreis-Zweckverband OEW halten je 46,75 Prozent der Aktien. Zusammen kontrollieren sie rund 94 Prozent des Karlsruher Konzerns, insgesamt liegen etwa 98 Prozent in öffentlicher Hand. Und hinter dem Landesanteil steckt einer der umstrittensten Deals der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Kurz zusammengefasst
Wem gehört EnBW? Zwei öffentlichen Großaktionären: der NECKARPRI-Beteiligungsgesellschaft des Landes Baden-Württemberg (46,75 Prozent) und der OEW Energie-Beteiligungs GmbH des Landkreis-Zweckverbands OEW (46,75 Prozent). Der Rest liegt überwiegend bei kommunalen Aktionärsverbänden – frei handelbar ist nur ein minimaler Teil der Aktien.

Das Wichtigste im Überblick

  • Land Baden-Württemberg (über NECKARPRI) und der Zweckverband OEW halten je 46,75 Prozent an der EnBW.
  • Rund 98 Prozent der Anteile liegen in öffentlicher Hand – EnBW ist börsennotiert, aber kaum frei handelbar.
  • 2010 kaufte das Land den Anteil des französischen EDF-Konzerns für 4,7 Milliarden Euro – der berühmte Mappus-Deal.
  • Die EnBW entstand 1997 aus der Fusion von Badenwerk und Energie-Versorgung Schwaben.
  • Zum Konzern gehören unter anderem Yello, Netze BW und die Mehrheit an TransnetBW.

Wem gehört EnBW heute?

EnBW gehört heute zwei nahezu gleich starken öffentlichen Eigentümern: Das Land Baden-Württemberg hält seine 46,75 Prozent indirekt über die landeseigene NECKARPRI-Gesellschaft, der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) hält über seine Beteiligungs-GmbH ebenfalls 46,75 Prozent. Zusammen sind das rund 94 Prozent des Aktienkapitals, wie die EnBW auf ihrer Investoren-Seite ausweist.

Der Rest verteilt sich fast komplett auf kommunale Aktionärsverbände aus Baden-Württemberg – etwa die Badische Energieaktionärs-Vereinigung und den Gemeindeelektrizitätsverband Schwarzwald-Donau, wie der Landesrechnungshof in einem Sonderbericht aufschlüsselt. Insgesamt: rund 98 Prozent öffentlich. Privater Streubesitz? Ein Rundungsfehler.

Aktionär Anteil
OEW Energie-Beteiligungs GmbH (Zweckverband OEW) 46,75 Prozent
NECKARPRI-Beteiligungsgesellschaft (Land Baden-Württemberg) 46,75 Prozent
Kommunale Aktionärsverbände, eigene Aktien, Streubesitz rund 6,5 Prozent

Wer steckt hinter der OEW?

Die OEW ist ein Zweckverband von Landkreisen im südlichen Baden-Württemberg mit Sitz in Ravensburg – gegründet bereits 1909, um Oberschwaben zu elektrifizieren. Damit gehört ein knappes halbes EnBW-Imperium indirekt den Bürgern dieser Landkreise. Von 2000 bis 2010 führte die OEW den Konzern paritätisch mit dem französischen Staatskonzern EDF, der damals ebenfalls 45,01 Prozent hielt. Ein Konstrukt mit Geschichte also – und mit erstaunlicher Kontinuität.

Wie kam das Land Baden-Württemberg an die EnBW?

Das Land kaufte seinen Anteil im Dezember 2010 dem französischen EDF-Konzern ab – eingefädelt vom damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus für 4,7 Milliarden Euro, nach dem anschließenden Pflicht-Übernahmeangebot stieg die Beteiligung auf 46,55 Prozent und der Gesamtpreis auf 4,849 Milliarden Euro, wie das Land Baden-Württemberg bilanziert. Finanziert wurde der Kauf über Schuldverschreibungen, verwaltet werden die Anteile bis heute von der NECKARPRI.

Brisant war der Weg dorthin: Mappus schloss den Deal am Landtag vorbei ab – der Staatsgerichtshof rügte das Vorgehen später als verfassungswidrig, ein Untersuchungsausschuss und ein Schiedsverfahren um den Kaufpreis folgten. Der Aufreger legte sich, die Beteiligung blieb. Das Finanzministerium wertet die öffentliche Eigentümerstruktur heute als Stabilitätsanker – sie schaffe „langfristig Stabilität, Planungssicherheit und Verlässlichkeit» für den Konzern.

Was gehört alles zum EnBW-Konzern?

Zum EnBW-Konzern mit Sitz in Karlsruhe gehören mehrere bekannte Marken und Netzgesellschaften: die Strommarke Yello, der Verteilnetzbetreiber Netze BW und der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW, an dem EnBW nach Anteilsverkäufen an ein Sparkassen-Konsortium und die staatliche KfW noch die Mehrheit hält. Dazu kommen der Leipziger Gashändler VNG, der Speicherhersteller Senec sowie ein wachsendes Portfolio aus Wind- und Solarparks. Entstanden ist der Konzern 1997 aus der Fusion von Badenwerk und Energie-Versorgung Schwaben – daher auch der Name: Energie Baden-Württemberg.

Kann man EnBW-Aktien kaufen?

Ja, theoretisch – EnBW ist börsennotiert und die Aktie wird an den Börsen Stuttgart und Frankfurt gehandelt. Praktisch ist der frei handelbare Anteil aber winzig, da rund 98 Prozent der Aktien fest bei Land, OEW und kommunalen Verbänden liegen. Entsprechend gering ist das Handelsvolumen, und der Kurs ist nur begrenzt aussagekräftig. Wer breit in Energiekonzerne investieren will, findet bei E.ON oder RWE deutlich liquidere Aktien.

💡 Praxis-Tipp

Aktionärsstrukturen börsennotierter Unternehmen lassen sich kostenlos prüfen: auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens selbst – und über die Stimmrechtsmitteilungen in der Datenbank der BaFin. Dort muss jeder melden, der bestimmte Schwellen wie 3, 5 oder 25 Prozent überschreitet.

Häufig gestellte Fragen

Ist EnBW ein Staatskonzern?

Nicht formal, aber faktisch weitgehend: Rund 98 Prozent der Anteile liegen bei Land, Landkreisen und Kommunen aus Baden-Württemberg. Rechtlich ist EnBW eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Karlsruhe.

Was war der Mappus-Deal?

Der Rückkauf des EDF-Anteils durch das Land im Dezember 2010 für 4,7 Milliarden Euro – abgeschlossen von Ministerpräsident Stefan Mappus am Landtag vorbei. Der Staatsgerichtshof stufte das Vorgehen später als verfassungswidrig ein.

Gehört Yello zu EnBW?

Ja. Die gelbe Strommarke Yello ist eine hundertprozentige Tochter der EnBW und dient als bundesweite Vertriebsmarke außerhalb des klassischen Stammgebiets.

Was ist die OEW?

Der Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke – ein 1909 gegründeter Zusammenschluss von Landkreisen im südlichen Baden-Württemberg mit Sitz in Ravensburg, der 46,75 Prozent an der EnBW hält.

Wem gehörte EnBW vor dem Land?

Von 2000 bis 2010 hielten die OEW und der französische Staatskonzern EDF je 45,01 Prozent und führten die EnBW paritätisch. 2010 kaufte das Land Baden-Württemberg den EDF-Anteil zurück.

Wer macht Was

Trage deine Firma kostenlos ein

Mehr Sichtbarkeit, mehr Anfragen – ohne Aufwand und ohne Kosten. In wenigen Minuten eingetragen und von Kunden gefunden.

Firma kostenlos eintragen →

(Lesen Sie auch: Wem gehört Vattenfall?, Wem gehört Innogy? und Wem gehört Westenergie? – oder stöbern Sie im Wirtschafts-Ressort und im Branchenverzeichnis von Wer macht Was.)

Fazit

Wem gehört EnBW? Dem Südwesten selbst: je 46,75 Prozent beim Land Baden-Württemberg und beim Landkreis-Zweckverband OEW, der Rest bei kommunalen Verbänden. Deutschlands Nummer drei im Energiemarkt ist damit das Gegenmodell zum Privatkonzern – und zugleich das Erbe eines Deals, der einen Ministerpräsidenten das Amt und das Land Milliarden kostete. Geblieben ist ein Konzern in Bürgerhand, vom Bodensee bis Karlsruhe.