Wirtschaft

Wem gehört LichtBlick? Ökostrom mit japanischen Eignern

Wem gehört LichtBlick? Der Hamburger Ökostrom-Pionier gehört heute der niederländischen Eneco-Gruppe

Wem gehört LichtBlick? Der Hamburger Ökostrom-Pionier gehört heute der niederländischen Eneco-Gruppe – und damit indirekt zwei japanischen Konzernen: Die Mitsubishi Corporation hält 80 Prozent an Eneco, der Energieversorger Chubu Electric Power die restlichen 20 Prozent. Was 1998 als unabhängiges Öko-Start-up in Hamburg begann, ist heute Teil eines Konzerngeflechts, das von Rotterdam bis Tokio reicht. Die Geschichte dahinter hat gleich zwei Besitzerwechsel.

Kurz zusammengefasst
Wem gehört LichtBlick? Zu 100 Prozent der niederländischen Eneco, die 2017 zunächst die Hälfte und im Dezember 2018 alle Anteile übernahm. Eneco wiederum gehört seit dem 25. März 2020 einem japanischen Konsortium: Mitsubishi Corporation (80 Prozent) und Chubu Electric Power (20 Prozent) zahlten 4,1 Milliarden Euro.

Das Wichtigste im Überblick

  • LichtBlick wurde 1998 von Heiko von Tschischwitz in Hamburg gegründet – als reiner Ökostromanbieter.
  • 2017 übernahm die niederländische Eneco 50 Prozent, im Dezember 2018 folgte die Komplettübernahme.
  • Seit März 2020 gehört Eneco – und damit LichtBlick – zu Mitsubishi (80 Prozent) und Chubu (20 Prozent).
  • Der Kaufpreis für Eneco lag bei 4,1 Milliarden Euro, zuvor gehörte der Versorger 44 niederländischen Kommunen.
  • Umweltorganisationen wie Robin Wood sehen die Konzernstruktur kritisch – LichtBlick liefert laut eigener Aussage weiter 100 Prozent Ökostrom.

Wem gehört LichtBlick heute?

LichtBlick gehört heute vollständig der Eneco-Gruppe aus Rotterdam, einem der größten Ökoenergie-Anbieter der Niederlande. An der Spitze der Eigentümerkette stehen jedoch zwei japanische Konzerne: Seit dem 25. März 2020 halten die Mitsubishi Corporation 80 Prozent und Chubu Electric Power 20 Prozent an Eneco – LichtBlick wanderte damit als Tochter gleich mit unter das japanische Konzerndach.

Operativ bleibt das Unternehmen eigenständig: Die LichtBlick SE sitzt weiter in Hamburg, versorgt rund 1,7 Millionen Kunden mit Strom und Gas und wird von einer eigenen Geschäftsführung geleitet. Eneco fungiert dabei nach Konzernangaben als europäisches Zentrum für die Energieaktivitäten von Mitsubishi und Chubu.

Wie kam es zur Übernahme durch Eneco?

Die Übernahme lief in zwei Schritten: Im Januar 2017 stieg Eneco mit 50 Prozent bei LichtBlick ein, im Dezember 2018 übernahmen die Niederländer auch die zweite Hälfte – der Hamburger Öko-Pionier verlor damit seine Unabhängigkeit. Beide Unternehmen passten strategisch zusammen: hier der deutsche Ökostrom-Vorreiter, dort der grüne Kommunalversorger mit Wind- und Solarparks.

Der zweite Besitzerwechsel folgte prompt. Die 44 niederländischen Kommunen, denen Eneco gehörte, wollten verkaufen – und im Bieterrennen setzte sich das japanische Konsortium unter anderem gegen den Ölkonzern Shell und Finanzinvestoren durch, wie die Energie-Chronik dokumentiert. Der damalige LichtBlick-Geschäftsführer Gero Lücking wertete es als „starkes Signal», dass ein japanischer Konzern über vier Milliarden Euro in europäische grüne Energie investiere – zusätzlich sagte Mitsubishi laut Klimareporter Kredite von einer Milliarde Euro für Energiewende-Investitionen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden zu.

ZeitpunktEreignis
1998Gründung der LichtBlick SE durch Heiko von Tschischwitz in Hamburg
Januar 2017Eneco übernimmt 50 Prozent an LichtBlick
Dezember 2018Eneco wird Alleineigentümerin von LichtBlick
November 2019Mitsubishi/Chubu gewinnen das Bieterrennen um Eneco – 4,1 Milliarden Euro
25. März 2020Vollzug: Mitsubishi 80 Prozent, Chubu 20 Prozent an Eneco
2020LichtBlick übernimmt das Heizstrom-Geschäft von E.ON
ZuletztZukäufe wie der Solarinstallateur Installion und der Windparkentwickler Eventus

Wer sind Mitsubishi und Chubu?

Die Mitsubishi Corporation ist das Handels- und Beteiligungshaus des japanischen Mitsubishi-Imperiums – ein Mischkonzern, der von Rohstoffen über Maschinenbau bis zu Lebensmitteln in nahezu allen Branchen aktiv ist. Chubu Electric Power aus Nagoya ist der drittgrößte Energieversorger Japans. Beide finanzierten den Eneco-Kauf vollständig aus eigenen Mitteln und bauen über die Niederländer ihr europäisches Grünstrom-Geschäft aus – vor allem bei Offshore-Windkraft.

Warum ist die Übernahme umstritten?

Umstritten ist die Übernahme, weil die neuen Eigentümer nicht nur grünes Geld verdienen: Sowohl Mitsubishi als auch Chubu werden auf der Global Coal Exit List geführt, die die Umweltorganisation urgewald gemeinsam mit internationalen NGOs herausgibt – beide Konzerne sind auch im fossilen und nuklearen Energiegeschäft aktiv. Die Umweltorganisation Robin Wood strich LichtBlick zudem ab ihrem Ökostromreport 2020 von der Liste der empfohlenen Anbieter und verwies auf den Graustromhandel und die Gaskraftwerke der Mutter Eneco. LichtBlick selbst hält dagegen: Der gelieferte Strom für Privatkunden stamme zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen in Deutschland. Beide Aussagen können übrigens gleichzeitig stimmen – genau das macht die Ökostrom-Debatte so knifflig.

Was macht LichtBlick heute?

LichtBlick ist einer der größten reinen Ökostromanbieter Deutschlands und liefert nach eigenen Angaben Strom aus Wasser-, Wind- und Solaranlagen sowie Gastarife mit Biogas-Anteil. Dazu kommen Solarpakete mit Speicher, Ladelösungen für E-Mobilität und das 2020 von E.ON übernommene Heizstrom-Geschäft. Mit Zukäufen wie dem Kölner Solarinstallateur Installion und dem Windparkentwickler Eventus baut das Unternehmen zudem eigene Erzeugung auf – vom reinen Stromhändler zum integrierten Öko-Versorger.

💡 Praxis-Tipp

Wer Wert auf konsequenten Ökostrom legt, sollte nicht nur auf das Wort „Öko» im Tarif schauen, sondern auf unabhängige Siegel wie das Grüner Strom Label oder ok-power – sie prüfen auch, ob der Anbieter tatsächlich in neue Anlagen investiert und wem er gehört.

Häufig gestellte Fragen

Ist LichtBlick noch ein unabhängiges Unternehmen?

Nein. Seit Dezember 2018 gehört LichtBlick vollständig zur niederländischen Eneco, die ihrerseits seit März 2020 im Besitz von Mitsubishi (80 Prozent) und Chubu (20 Prozent) ist. Operativ arbeitet LichtBlick weiter eigenständig von Hamburg aus.

Ist LichtBlick-Strom trotzdem echter Ökostrom?

Laut LichtBlick stammt der Strom für Privatkunden zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen in Deutschland. Kritik von Umweltorganisationen wie Robin Wood richtet sich nicht gegen den Strommix, sondern gegen die fossilen Geschäfte der Konzernmütter.

Wer hat LichtBlick gegründet?

Heiko von Tschischwitz gründete LichtBlick 1998 in Hamburg – als einen der ersten reinen Ökostromanbieter Deutschlands, lange bevor Ökostrom zum Massenmarkt wurde.

Was ist Eneco?

Ein Energieversorger aus Rotterdam mit Schwerpunkt auf Ökoenergie und rund zwei Millionen Kunden in den Niederlanden. Bis 2020 gehörte Eneco 44 niederländischen Kommunen, heute dem japanischen Konsortium aus Mitsubishi und Chubu.

Was zahlten Mitsubishi und Chubu für Eneco?

4,1 Milliarden Euro – vollständig aus eigenen Mitteln finanziert. Zusätzlich sagte Mitsubishi eine Milliarde Euro an Krediten für Energiewende-Investitionen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden zu.

Wer macht Was

Trage deine Firma kostenlos ein

Mehr Sichtbarkeit, mehr Anfragen – ohne Aufwand und ohne Kosten. In wenigen Minuten eingetragen und von Kunden gefunden.

Firma kostenlos eintragen →

(Lesen Sie auch: Wem gehört Vattenfall?, Wem gehört Uniper? und Wem gehört EnBW? – oder stöbern Sie im Wirtschafts-Ressort und im Branchenverzeichnis von Wer macht Was.)

Fazit

Wem gehört LichtBlick? Auf dem Papier der niederländischen Eneco, am Ende der Kette aber Mitsubishi und Chubu aus Japan. Der Hamburger Öko-Pionier von 1998 ist damit das vielleicht beste Beispiel unserer Serie dafür, wie global Eigentümerketten geworden sind: gegründet an der Elbe, verkauft nach Rotterdam, kontrolliert aus Tokio und Nagoya. Am Strommix für die Kunden hat sich dabei nichts geändert – an der Frage, wer am Ökostrom verdient, dafür umso mehr.