Wirtschaft

Wem gehört 50Hertz? Belgier, Bund und die China-Abwehr

Wem gehört 50Hertz – Infografik: 80 Prozent Elia Group, 20 Prozent KfW im Auftrag des Bundes

Wem gehört 50Hertz? Der Berliner Übertragungsnetzbetreiber, der den Strom für rund 18 Millionen Menschen im Osten und Norden Deutschlands transportiert, gehört zu 80 Prozent der belgischen Elia Group und zu 20 Prozent der staatlichen Förderbank KfW. Diese ungewöhnliche Konstellation ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Abwehrkampfs: 2018 verhinderte die Bundesregierung gleich zweimal den Einstieg des chinesischen Staatskonzerns State Grid.

Kurz zusammengefasst
Wem gehört 50Hertz? Zu 80 Prozent der börsennotierten Elia Group aus Belgien und zu 20 Prozent der KfW, die den Anteil im Auftrag der Bundesregierung hält. Beide sind über die Holding Eurogrid beteiligt. Hervorgegangen ist 50Hertz aus dem Übertragungsnetz von Vattenfall, das die Schweden 2010 verkauften.

Das Wichtigste im Überblick

  • 50Hertz gehört zu 80 Prozent der belgischen Elia Group und zu 20 Prozent der deutschen KfW.
  • 2010 verkaufte Vattenfall das Netz für 810 Millionen Euro an Elia (60 Prozent) und den australischen Fonds IFM (40 Prozent).
  • 2018 wollte der chinesische Staatskonzern State Grid einsteigen – zweimal, beide Male vergeblich.
  • Elia stockte per Vorkaufsrecht für 976,5 Millionen Euro auf 80 Prozent auf, die KfW übernahm die letzten 20 Prozent.
  • 50Hertz betreibt das Übertragungsnetz in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Wem gehört 50Hertz heute?

50Hertz gehört heute zwei Eigentümern: der börsennotierten Elia Group aus Brüssel mit 80 Prozent und der KfW mit 20 Prozent, die ihren Anteil im Auftrag der Bundesregierung hält. Beteiligt sind beide nicht direkt, sondern über die Holdinggesellschaft Eurogrid, die ihrerseits alle Anteile an der 50Hertz Transmission GmbH hält.

Bemerkenswert ist die Rolle der KfW. Ihr Einstieg 2018 war offiziell nur als Übergang gedacht – Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium sprachen damals von einer Brückenlösung. Geblieben ist der Staat trotzdem: Die 20 Prozent liegen bis heute bei der Förderbank, als stiller Wächter über ein Stück kritischer Infrastruktur.

Was macht 50Hertz eigentlich?

50Hertz ist einer der vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber und damit für die Strom-Autobahnen zuständig – die Höchstspannungsleitungen, über die Strom über weite Strecken transportiert wird. Das Netzgebiet umfasst Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wie das Fachportal Solarify zur Eigentümerstruktur dokumentiert. Der Name kommt übrigens von der Netzfrequenz des europäischen Stromnetzes: 50 Hertz. Als Netzbetreiber mit gesetzlichem Auftrag arbeitet das Unternehmen diskriminierungsfrei für alle Marktteilnehmer – egal, wem es gehört.

Wie kam es zum Verkauf durch Vattenfall?

50Hertz entstand Anfang 2010 durch Umbenennung der Vattenfall Europe Transmission – und wurde noch im selben Jahr verkauft: Im März 2010 übernahmen der belgische Netzbetreiber Elia (60 Prozent) und der australische Infrastrukturfonds IFM (40 Prozent) das Unternehmen für 810 Millionen Euro, wie die Energie-Chronik nachzeichnet. Hintergrund war die EU-Entflechtungspolitik: Erzeugung und Übertragungsnetz sollten getrennt werden – auch E.ON und RWE trennten sich damals von ihren Übertragungsnetzen. Ein Muster, das Ihnen aus unserer Serie bekannt vorkommen dürfte: Vattenfall verkaufte in Deutschland nach und nach fast alles.

Wie verhinderte der Bund den China-Einstieg?

Der Bund verhinderte den China-Einstieg 2018 über eine Doppel-Konstruktion aus Vorkaufsrecht und Staatsbank. Als IFM sein erstes 20-Prozent-Paket verkaufen wollte und die State Grid Corporation of China bereitstand, übte Elia sein Vorkaufsrecht aus und stockte für 976,5 Millionen Euro von 60 auf 80 Prozent auf. Beim zweiten IFM-Paket wiederholte sich das Spiel – diesmal reichte Elia den Anteil an die KfW weiter, die im Auftrag des Bundes einstieg, wie das Handelsblatt damals berichtete.

Die Begründung lieferten Wirtschafts- und Finanzministerium in einem gemeinsamen Statement: „Die Bundesregierung hat aus sicherheitspolitischen Erwägungen ein hohes Interesse am Schutz kritischer Energieinfrastrukturen». Der Fall 50Hertz gilt seither als Blaupause für den Umgang mit chinesischen Beteiligungen an deutscher Infrastruktur – und verschärfte die Debatte um Investitionskontrollen spürbar.

Zeitpunkt Ereignis
Anfang 2010 Umbenennung der Vattenfall Europe Transmission in 50Hertz
März 2010 Verkauf für 810 Millionen Euro an Elia (60 Prozent) und IFM (40 Prozent)
Februar 2018 IFM will verkaufen – der chinesische Staatskonzern State Grid steht bereit
April 2018 Elia stockt per Vorkaufsrecht für 976,5 Millionen Euro auf 80 Prozent auf
Juli/August 2018 Zweiter China-Anlauf scheitert – die KfW übernimmt 20 Prozent als „Brückenlösung»
Heute Eigentümerstruktur unverändert: Elia 80 Prozent, KfW 20 Prozent

Wer ist die Elia Group?

Die Elia Group ist der belgische Übertragungsnetzbetreiber – börsennotiert in Brüssel und Betreiber des Hoch- und Höchstspannungsnetzes in Belgien. Mit der 50Hertz-Mehrheit wurde Elia zu einem der großen Netzbetreiber Europas: Das deutsche Netzgebiet ist deutlich größer als das belgische Heimatgeschäft. Für 50Hertz bedeutet das einen Eigentümer, der das Geschäft aus dem Effeff kennt – Netzbetrieb ist Elias Kerngeschäft, keine Finanzbeteiligung.

Übertragungsnetzbetreiber Eigentümer
50Hertz (Osten/Norden) Elia Group 80 Prozent, KfW 20 Prozent
TenneT (Mitte, Nord-Süd) Niederländischer Staat
Amprion (Westen) RWE-Minderheit plus deutsches Investoren-Konsortium
TransnetBW (Südwesten) EnBW-Mehrheit, dazu KfW und ein Sparkassen-Konsortium
💡 Praxis-Tipp

Wer welches Netz in Deutschland betreibt und wie die Netzentgelte zustande kommen, dokumentiert die Bundesnetzagentur – inklusive Karten der Regelzonen und aktueller Berichte zum Netzausbau. Die Aufsicht gilt übrigens unabhängig davon, wem ein Netzbetreiber gehört.

Häufig gestellte Fragen

Ist 50Hertz ein Staatskonzern?

Nur zu einem Fünftel: 80 Prozent gehören der börsennotierten Elia Group aus Belgien, 20 Prozent hält die staatliche KfW im Auftrag der Bundesregierung – ursprünglich als Übergangslösung gedacht.

Warum hält die KfW Anteile an 50Hertz?

Um 2018 den Einstieg des chinesischen Staatskonzerns State Grid zu verhindern. Die Bundesregierung wollte kritische Energieinfrastruktur aus sicherheitspolitischen Gründen schützen und ließ die KfW das 20-Prozent-Paket übernehmen.

Was hat 50Hertz mit Vattenfall zu tun?

50Hertz ist das frühere Übertragungsnetz von Vattenfall in Deutschland. 2010 verkauften die Schweden das Unternehmen für 810 Millionen Euro an Elia und den australischen Infrastrukturfonds IFM.

In welchen Bundesländern ist 50Hertz aktiv?

Das Netzgebiet umfasst Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – rund 18 Millionen Menschen hängen an diesem Übertragungsnetz.

Wem gehören die anderen deutschen Übertragungsnetze?

TenneT gehört dem niederländischen Staat, Amprion mehrheitlich einem deutschen Investoren-Konsortium neben RWE, und TransnetBW gehört mehrheitlich der EnBW – mit KfW und einem Sparkassen-Konsortium als Minderheitsgesellschaftern.

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(Lesen Sie auch: Wem gehört Vattenfall? – dort begann die 50Hertz-Geschichte –, Wem gehört EnBW? und Wem gehört Uniper? – oder stöbern Sie im Wirtschafts-Ressort und im Branchenverzeichnis von Wer macht Was.)

Fazit

Wem gehört 50Hertz? Zu 80 Prozent den belgischen Netzprofis von Elia, zu 20 Prozent dem Bund über die KfW – und Letzteres nur, weil China zweimal anklopfte. Kaum ein deutsches Unternehmen zeigt so deutlich, wie aus einer nüchternen Eigentümerfrage große Geopolitik wird: Was als Vattenfall-Verkauf für 810 Millionen Euro begann, endete als Präzedenzfall für den Schutz kritischer Infrastruktur. Die „Brückenlösung» von 2018 steht übrigens noch – Brücken halten in Deutschland manchmal doch länger als gedacht.