Politik

EU-Parlament Ratgeber: Aufgaben, Aufbau und Besuch

EU-Parlament Ratgeber: Gebäude des Europäischen Parlaments in Brüssel mit EU-Flaggen

Ein EU-Parlament Ratgeber hilft Ihnen, die komplexen Strukturen und Aufgaben des Europäischen Parlaments zu verstehen. Als einzige direkt gewählte Institution der Europäischen Union repräsentiert es über 450 Millionen Bürger der 27 Mitgliedstaaten und spielt eine zentrale Rolle in der europäischen Gesetzgebung, Haushaltskontrolle und der Überwachung anderer EU-Organe. Das Europäische Parlament wird alle fünf Jahre durch direkte Wahlen bestimmt, zuletzt im Jahr 2024, und hat seitdem entscheidenden Einfluss auf die politische Ausrichtung der Union genommen.

Kurz zusammengefasst
Der EU-Parlament Ratgeber erklärt, dass das Europäische Parlament das einzige direkt gewählte Organ der EU ist, das über Gesetzgebung, Haushalt und die Kontrolle anderer EU-Institutionen entscheidet. Es vertritt die Interessen der Bürger und hat Sitze in Brüssel und Straßburg.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Europäische Parlament ist das einzige direkt von den EU-Bürgern gewählte Organ der Europäischen Union.
  • Es hat drei Hauptaufgaben: Gesetzgebung, Haushaltskontrolle und demokratische Kontrolle über die EU-Kommission.
  • Die Abgeordneten werden alle fünf Jahre gewählt; die aktuelle Legislaturperiode begann 2024.
  • Das Parlament hat offizielle Sitze in Straßburg (Plenarsitzungen), Brüssel (Ausschüsse und Fraktionen) und Luxemburg (Verwaltung).
  • Es besteht aus aktuell 720 Abgeordneten, die die Bürger der 27 Mitgliedstaaten repräsentieren.

Was sind die Kernaufgaben des EU-Parlaments?

Die Kernaufgaben des Europäischen Parlaments umfassen drei wesentliche Bereiche: die Gesetzgebung, die Haushaltskontrolle und die demokratische Überwachung anderer EU-Institutionen. In der Gesetzgebung teilt sich das Parlament die Macht mit dem Rat der Europäischen Union, indem es neue Gesetze prüft, ändert und verabschiedet, die von der EU-Kommission vorgeschlagen werden. Diese gemeinsame Entscheidungsfindung, auch ordentliches Gesetzgebungsverfahren genannt, gilt für die meisten Politikbereiche, von der Umwelt über den Binnenmarkt bis hin zur Landwirtschaft.

Im Bereich der Haushaltskontrolle entscheidet das Europäische Parlament gemeinsam mit dem Rat über den jährlichen EU-Haushalt und überwacht dessen Ausführung. Es hat das Recht, die gesamte Kommission zum Rücktritt zu zwingen und prüft die Ausgaben der EU-Institutionen, um eine verantwortungsvolle Verwendung der Steuergelder sicherzustellen. Die jährliche Entlastung der Kommission ist ein wichtiger Kontrollmechanismus.

Darüber hinaus übt das Parlament eine demokratische Kontrolle über die EU-Kommission und andere EU-Organe aus. Es wählt den Präsidenten der Kommission und muss der gesamten Kommission zustimmen. Die Abgeordneten können Anfragen an die Kommission und den Rat richten, Untersuchungsausschüsse einsetzen und Petitionen von Bürgern entgegennehmen. Diese Kontrollfunktion ist entscheidend für die Transparenz und Rechenschaftspflicht innerhalb der Europäischen Union. Weitere Informationen zu den Aufgaben der deutschen Legislative finden Sie in unserem Bundestag Grundlagen-Artikel.

Wie ist das EU-Parlament aufgebaut und zusammengesetzt?

Das EU-Parlament setzt sich seit der Europawahl 2024 aus 720 Abgeordneten zusammen, die die Bürger der 27 Mitgliedstaaten repräsentieren. Die Anzahl der Sitze pro Land ist proportional zur Bevölkerungszahl, wobei kleinere Länder eine Mindestanzahl an Sitzen erhalten, um ihre Vertretung zu gewährleisten. Deutschland stellt mit 96 Abgeordneten die größte Delegation, gefolgt von Frankreich mit 81 und Italien mit 76 Abgeordneten. Jeder Mitgliedstaat muss mindestens 6 und darf maximal 96 Sitze haben (Quelle: Europäisches Parlament, Stand: Juli 2026).

Die Abgeordneten organisieren sich nicht nach nationaler Zugehörigkeit, sondern nach politischen Fraktionen, die gemeinsame ideologische Ausrichtungen vertreten. Aktuell gibt es sieben große Fraktionen, darunter die Europäische Volkspartei (EVP), die Sozialdemokratische Partei Europas (S&D) und Renew Europe. Diese Fraktionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Formulierung von Gesetzesvorschlägen, der Besetzung von Ausschussposten und der Abstimmung im Plenum. Die Fraktionszugehörigkeit ermöglicht es den Abgeordneten, ihre politischen Ziele effektiver zu verfolgen und Allianzen über nationale Grenzen hinweg zu bilden. Das Verständnis der Zusammensetzung ist wichtig, um die Dynamiken der europäischen Politik zu begreifen.

Wo hat das EU-Parlament seinen Sitz und warum gibt es zwei Standorte?

Das Europäische Parlament hat seine offiziellen Sitze an drei Orten: Straßburg, Brüssel und Luxemburg. Der Hauptsitz für die Plenarsitzungen ist Straßburg in Frankreich, wo die zwölf regulären Tagungen pro Jahr stattfinden, in denen über Gesetze abgestimmt und wichtige Debatten geführt werden. Brüssel in Belgien dient als primärer Arbeitsort für die Ausschüsse, die Fraktionen und die zusätzlichen Plenarsitzungen. Hier finden die Vorbereitungen für die Gesetzgebung statt, und die meisten politischen Verhandlungen werden geführt. Luxemburg ist der Standort des Generalsekretariats des Parlaments, das für die Verwaltung und die Übersetzungsdienste zuständig ist.

Die Existenz von zwei Hauptsitzen – Straßburg und Brüssel – ist historisch gewachsen und politisch umstritten. Straßburg wurde als Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung und der europäischen Einheit gewählt. Der Umzug der Abgeordneten, ihrer Mitarbeiter und der Dokumente zwischen Brüssel und Straßburg, bekannt als «Wanderzirkus», verursacht jährlich erhebliche Kosten und logistischen Aufwand. Schätzungen aus dem Jahr 2025 beziffern diese Kosten auf rund 114 Millionen Euro pro Jahr (Quelle: Europäischer Rechnungshof, Stand: November 2025). Trotz wiederholter Forderungen nach einem einzigen Sitz, meist in Brüssel, konnte aufgrund der Notwendigkeit einer einstimmigen Entscheidung der Mitgliedstaaten, insbesondere Frankreichs, bisher keine Änderung herbeigeführt werden.

Welche aktuellen politischen Themen behandelt das EU-Parlament im Jahr 2026?

Im Juli 2026 konzentriert sich das EU-Parlament auf mehrere Schlüsselthemen, die die Zukunft der Europäischen Union maßgeblich prägen. Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf der weiteren Umsetzung des «Green Deal», insbesondere auf der Gesetzgebung zur Kreislaufwirtschaft und zur Reduzierung von Emissionen im Industriesektor. Hierbei geht es um konkrete Verordnungen, die Unternehmen und Mitgliedstaaten dazu anhalten sollen, ihre Umweltauswirkungen zu minimieren. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Stärkung der europäischen Verteidigungskooperation und die gemeinsame Beschaffung von Rüstungsgütern, um die Resilienz der Union in einem volatilen globalen Umfeld zu erhöhen.

Die Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) bleiben ebenfalls hoch auf der Agenda. Nach der Verabschiedung des KI-Gesetzes im Jahr 2024 stehen nun dessen Implementierung und weitere Regulierungen im Bereich des Datenschutzes und der Cybersicherheit im Fokus. Das Parlament diskutiert zudem Maßnahmen zur Stärkung der sozialen Gerechtigkeit und zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in der EU. Diese Themen spiegeln die Prioritäten wider, die in der aktuellen Legislaturperiode bis 2029 gesetzt wurden, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu sichern und gleichzeitig soziale und ökologische Standards zu wahren.

💡 Praxis-Tipp

Verfolgen Sie die Plenarsitzungen des EU-Parlaments live über die offizielle Website des Europäischen Parlaments. Viele Debatten und Abstimmungen werden gestreamt und bieten einen direkten Einblick in die europäische Demokratie und die Entscheidungsprozesse, die Sie als Bürger betreffen.

Wie können Bürger das EU-Parlament besuchen und sich informieren?

Bürger haben verschiedene Möglichkeiten, das Europäische Parlament zu besuchen und sich über seine Arbeit zu informieren. In Brüssel und Straßburg gibt es Besucherzentren und Ausstellungen, die die Geschichte und Funktionsweise der EU-Institutionen anschaulich erklären. Das «Parlamentarium» in Brüssel ist das größte parlamentarische Besucherzentrum Europas und bietet interaktive Ausstellungen in allen 24 Amtssprachen der EU. Ebenso können Gruppenführungen durch die Plenarsäle und Gebäude gebucht werden.

Für Einzelbesucher ist oft ein spontaner Besuch möglich, während Gruppen sich im Voraus anmelden sollten. Die offiziellen Websites des Europäischen Parlaments (visiting.europarl.europa.eu) bieten detaillierte Informationen zu Öffnungszeiten, Anreise und Buchungsmöglichkeiten. Darüber hinaus gibt es regelmäßig «Tage der offenen Tür», bei denen die Öffentlichkeit einen Blick hinter die Kulissen werfen kann. Auch die Büros der Europaabgeordneten in den jeweiligen Mitgliedstaaten sind Anlaufstellen für Informationen und Bürgeranliegen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die 3 wichtigsten Ziele der EU?

Die Europäische Union verfolgt eine Vielzahl von Zielen, die in den Gründungsverträgen und späteren Erweiterungen festgelegt wurden. Drei der wichtigsten Ziele sind die Förderung von Frieden und Wohlstand, die Schaffung eines Binnenmarktes und die Stärkung des wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalts. Frieden und Wohlstand werden durch die Vermeidung von Konflikten zwischen den Mitgliedstaaten und die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bürger angestrebt. Der Binnenmarkt gewährleistet den freien Verkehr von Personen, Waren, Dienstleistungen und Kapital und trägt maßgeblich zum Wirtschaftswachstum bei. Der Zusammenhalt soll regionale Ungleichheiten abbauen und eine ausgewogene Entwicklung in der gesamten Union fördern.

Wie hoch ist das Gehalt eines EU-Kommissars?

Das Gehalt eines EU-Kommissars ist an die höchste Beamtenbesoldungsgruppe der EU gekoppelt. Das monatliche Grundgehalt eines Kommissars beträgt 112,5 % dieser höchsten Besoldungsgruppe. Stand Juni 2023 entsprach dies 25.910,19 Euro pro Monat. Der Präsident der EU-Kommission erhält 138 % (27.436,90 Euro pro Monat), Vizepräsidenten 125 % (24.852,26 Euro pro Monat) und der Hohe Repräsentant der Union für Außen- und Sicherheitspolitik 130 % (25.846,35 Euro pro Monat). Diese Gehälter sind in der Regel steuerpflichtig und unterliegen den EU-internen Steuerregelungen.

Warum gibt es zwei EU-Parlamente?

Die Frage nach «zwei EU-Parlamenten» bezieht sich auf die zwei Hauptarbeitsorte des Europäischen Parlaments: Brüssel und Straßburg. Es gibt nicht zwei separate Parlamente, sondern ein einziges Parlament mit zwei primären Tagungsorten. Straßburg ist der offizielle Sitz für die zwölf jährlichen Plenartagungen, während Brüssel der Hauptstandort für Ausschusssitzungen und zusätzliche Plenarsitzungen ist. Diese Aufteilung ist in den EU-Verträgen verankert und resultiert aus historischen und politischen Kompromissen, insbesondere dem Wunsch Frankreichs, Straßburg als Symbol der europäischen Integration zu erhalten. Die Diskussion über die Effizienz und die Kosten dieser Dopplung ist jedoch ein wiederkehrendes Thema.

Was sind Empfehlungen der EU?

EU-Empfehlungen sind Rechtsakte der Europäischen Union, die für die EU-Mitgliedstaaten nicht verbindlich sind. Sie gehören zu den nicht-legislativen Rechtsinstrumenten, die im Artikel 288 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) aufgeführt sind. Empfehlungen dienen dazu, die Mitgliedstaaten zu bestimmten Maßnahmen oder Verhaltensweisen anzuhalten, ohne ihnen eine rechtliche Verpflichtung aufzuerlegen. Sie haben eine moralische oder politische Wirkung und sollen die Konvergenz der nationalen Politiken fördern. Im Gegensatz zu Verordnungen oder Richtlinien, die verbindlich sind, bieten Empfehlungen den Mitgliedstaaten mehr Flexibilität bei der Umsetzung.

Wie funktioniert das Wahlsystem für das EU-Parlament?

Das Wahlsystem für das Europäische Parlament basiert auf dem Verhältniswahlrecht, wird jedoch von den einzelnen Mitgliedstaaten autonom ausgestaltet, solange bestimmte EU-weite Mindeststandards eingehalten werden. In Deutschland beispielsweise erfolgt die Wahl über Parteilisten, wobei die Wähler eine Partei wählen. Die Sitze werden dann proportional zu den erhaltenen Stimmen auf die Parteien verteilt. Es gibt keine Sperrklausel auf europäischer Ebene, aber einige Mitgliedstaaten wenden nationale Sperrklauseln an (in Deutschland gab es bis 2014 eine 5%-Hürde, die jedoch vom Bundesverfassungsgericht für Europawahlen gekippt wurde). Alle Bürger der EU, die das Wahlalter erreicht haben, können in ihrem Herkunftsland oder in ihrem Wohnsitzland wählen. Mehr zum deutschen System erfahren Sie unter Wahlsystem erklärt.

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Fazit

Der EU-Parlament Ratgeber hat gezeigt, dass das Europäische Parlament eine unverzichtbare Säule der europäischen Demokratie ist. Als einziges direkt gewähltes Organ der EU nimmt es eine zentrale Rolle in der Gesetzgebung, der Haushaltskontrolle und der Überwachung der anderen EU-Institutionen ein. Trotz seiner komplexen Struktur mit mehreren Sitzen und der Herausforderung, die Interessen von 27 Mitgliedstaaten zu vereinen, arbeitet es kontinuierlich an der Gestaltung einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Für Bürgerinnen und Bürger ist das Verständnis seiner Aufgaben und Arbeitsweise essenziell, um die politischen Entscheidungen, die unser tägliches Leben beeinflussen, nachvollziehen und gegebenenfalls mitgestalten zu können. Die demokratische Legitimation des Parlaments ist ein Grundpfeiler der Gewaltenteilung in Europa, ähnlich wie die Gewaltenteilung Bedeutung in nationalen Systemen.