Wirtschaft

Tabaksteuererhöhung 2027: Warum Handel vor Schwarzmarkt warnt

Zigarettenregal in einem Kiosk vor der Tabaksteuererhöhung 2027

Zoll und Handel warnen vor Schwarzmarkt-Schub durch die geplante Tabaksteuer-Erhöhung

Die wichtigsten Fakten
  • Die Tabaksteuererhöhung 2027 startet die erste von vier jährlichen Steuerstufen bis 2030 – Grundlage ist das vom Kabinett am 6. Juli 2026 beschlossene Tabaksteueränderungsgesetz.
  • Eine Packung Zigaretten (20 Stück) dürfte von aktuell rund 8,05 Euro auf etwa 8,77 Euro (2027) und bis 2030 auf rund 11,36 Euro steigen – ein Plus von etwa 41 Prozent.
  • Auch Feinschnitt, Pfeifen-, Wasserpfeifen- und Erhitzer-Tabak sowie E-Liquids werden teurer, E-Liquids ab 2027 mit 33 Cent pro Milliliter.
  • Der Zoll beschlagnahmte 2025 laut Bundestags-Antwort rund 256 Millionen unversteuerte Zigaretten, der geschätzte Steuerschaden lag bei etwa 47 Millionen Euro.
  • Die Initiative „Tabaksteuer mit Augenmaß» – getragen unter anderem vom Bundesverband der Tabakwirtschaft (BVTE) und der Zollgewerkschaft BDZ – warnt vor einem wachsenden Schwarzmarkt und Umsatzverlusten für Kioske und Einzelhandel.

Die Tabaksteuererhöhung 2027 markiert den Auftakt zu vier jährlichen Preisrunden bis 2030: Zum 1. Januar 2027 steigt die Steuer auf Zigaretten auf 22,21 Cent pro Stück, wie das Bundesfinanzministerium bestätigt (Stand: Juli 2026). Eine Packung mit 20 Zigaretten dürfte dadurch von rund 8,05 auf etwa 8,77 Euro klettern, bis 2030 auf bis zu 11,36 Euro – ein Aufschlag von rund 41 Prozent in vier Jahren. Handelsverbände und die Zollgewerkschaft warnen, dass Raucherinnen und Raucher zunehmend auf illegale Ware ausweichen könnten, zulasten von Kiosken, Tankstellen und dem stationären Einzelhandel.

Zigarettenregal in einem deutschen Kiosk vor der Tabaksteuererhöhung 2027
Symbolbild: Zigarettenregal in einem Kiosk – Kioske gehören zu den Betrieben, die von der Tabaksteuererhöhung 2027 wirtschaftlich betroffen sind.

Wie hoch fällt die Tabaksteuererhöhung 2027 konkret aus?

Die geplante Steuer-Anhebung betrifft nicht nur Zigaretten, sondern alle gängigen Tabak- und Nikotinprodukte in vier gestaffelten Schritten bis 2030. Grundlage ist das Tabaksteueränderungsgesetz, das die Bundesregierung am 6. Juli 2026 unverändert durchs Kabinett brachte. Die folgende Tabelle zeigt die amtlichen Steuersätze im Zeitverlauf:

Jahr Zigaretten (Cent/Stück) Feinschnitt (Euro/kg) E-Liquid (Euro/ml)
2027 22,21 118,90 0,33
2028 24,21 140,99 0,34
2029 26,39 172,40 0,35
2030 28,77 210,51 0,36

Quelle: Bundesfinanzministerium, Stand Juli 2026. Eigene Berechnung des Preisanstiegs für eine Zigarettenpackung: von rund 8,05 Euro (2026) über 8,77 Euro (2027) auf bis zu 11,36 Euro (2030), ein Plus von rund 41 Prozent.

Warum warnen Wirtschaft und Zoll vor einem Schwarzmarkt-Boom?

Kritiker befürchten, dass die Tabaksteuererhöhung legale Produkte für viele Raucherinnen und Raucher unattraktiv macht und den illegalen Handel stärkt. „Die Verbraucher werden zunehmend auf illegale Produkte ausweichen, wenn diese deutlich günstiger sind. Illegale Zigaretten und Tabakprodukte unterliegen keiner Qualitätsprüfung», sagt Jan Mücke, Sprecher der Initiative „Tabaksteuer mit Augenmaß» und Geschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft (BVTE), am 21. September 2026. Auch die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft (BDZ) teilt die Sorge: Ihr Bundesvorsitzender Thomas Liebel bezeichnete die geplante Erhöhung als „Konjunkturprogramm für die Organisierte Kriminalität».

Zahlen stützen die Sorge zumindest teilweise: Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage beschlagnahmte der Zoll 2025 rund 256 Millionen unversteuerte Zigaretten, der Steuerschaden wird auf rund 47 Millionen Euro geschätzt. Der Anteil von Feinschnitt-Tabak – oft günstiger besteuert und beliebt bei Selbstdrehern – stieg von rund 28 Prozent des Zigarettenabsatzes 2025 auf etwa 30 Prozent in den ersten vier Monaten 2026. Bereits 2023 hatte eine im Auftrag von Philip Morris erstellte KPMG-Studie den Konsum illegaler Zigaretten in Deutschland auf 1,9 Milliarden Stück geschätzt – (mehr dazu im Hintergrundartikel Schmuggelzigaretten Deutschland: Steigender Schwarzmarkt schadet Staat).

Was bedeutet die Tabaksteuererhöhung für Kioske und den Einzelhandel?

Für Kioske, Tankstellenshops und kleine Einzelhändler steht ein Teil des Umsatzes auf dem Spiel: Tabakwaren zählen zu den umsatzstärksten Randsortimenten im stationären Handel. Steigt der Anteil illegaler oder im Ausland gekaufter Ware, fehlt dieser Umsatz an der Ladenkasse – während die Betriebskosten unverändert bleiben. Die Initiative fordert deshalb eine moderatere Anhebung, um „Kioske, Händler und mittelständische Betriebe» vor Umsatzverlusten zu schützen.

(Lesen Sie auch: Zigarettenautomat in der Nähe finden: So klappt es 2026)

📌 Gut zu wissen

Die Bundesregierung erklärte in ihrer Antwort auf die Bundestags-Anfrage, ihr lägen keine eigenen Prognosen zu Schmuggelentwicklung, Arbeitsplatzverlusten oder Grenzkäufen vor. Wer als Kiosk, Tankstelle oder Einzelhändler selbst betroffen ist, findet passende Fachberatung und weitere Betriebe der Branche im Wer-macht-Was-Verzeichnis für Handel & Einzelhandel.

Wie geht es mit der Tabaksteuer jetzt weiter?

Das Tabaksteueränderungsgesetz ist Kabinettsbeschluss vom 6. Juli 2026, muss aber noch Bundestag und Bundesrat passieren, bevor die erste Stufe zum 1. Januar 2027 greift. Die Initiative „Tabaksteuer mit Augenmaß» will in den kommenden parlamentarischen Beratungen auf eine moderatere Steigerung hinwirken. Bis dahin bleiben die 2026 geltenden Steuersätze unverändert.

Häufig gestellte Fragen

Ab wann gilt die Tabaksteuererhöhung 2027?

Die erste von vier Erhöhungsstufen greift zum 1. Januar 2027, weitere folgen jeweils zum 1. Januar 2028, 2029 und 2030.

Wie viel kostet eine Schachtel Zigaretten künftig?

Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums könnte eine Packung mit 20 Zigaretten 2027 rund 8,77 Euro kosten, bis 2030 rund 11,36 Euro – gegenüber heute rund 8,05 Euro.

Welche Produkte sind neben Zigaretten betroffen?

Auch Feinschnitt, Pfeifentabak, Wasserpfeifentabak, Zigarren, erhitzter Tabak und E-Liquids werden in den kommenden vier Jahren schrittweise teurer besteuert.

Warum warnt der Handel vor einem Schwarzmarkt-Boom?

Verbände befürchten, dass hohe Preisaufschläge Konsumenten zu illegaler, unversteuerter Ware treiben – mit Umsatzverlusten für den legalen Einzelhandel und Steuerausfällen für den Staat.

Ist die Steuererhöhung schon endgültig beschlossen?

Das Kabinett hat den Gesetzentwurf im Juli 2026 verabschiedet, das parlamentarische Verfahren in Bundestag und Bundesrat läuft zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch.

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