Wirtschaft

Wem gehört die LEAG? Der Milliardär hinter der Lausitz-Kohle

Wem gehört die LEAG – Infografik: Der Lausitzer Energiekonzern gehört zu 100 Prozent der EP-Gruppe von Daniel Kretinsky

Wem gehört die LEAG? Der Lausitzer Braunkohle- und Energiekonzern mit Sitz in Cottbus gehört seit März 2025 vollständig der EP-Gruppe des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Dessen Tochtergesellschaft EP Energy Transition übernahm den letzten verbliebenen Anteil von 30 Prozent vom Finanzinvestor PPF – zum Kaufpreis schwiegen beide Seiten. Begonnen hatte das tschechische Kapitel 2016, als Vattenfall seine deutsche Braunkohlesparte loswerden wollte. Um fast jeden Preis.

Kurz zusammengefasst
Wem gehört die LEAG? Zu 100 Prozent der EP Energy Transition aus der Unternehmensgruppe des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. 2016 kauften die Investoren EPH und PPF die Lausitzer Tagebaue und Kraftwerke von Vattenfall, im März 2025 stieg PPF komplett aus. Die LEAG ist einer der größten Stromerzeuger Deutschlands.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die LEAG gehört seit März 2025 vollständig zur EP-Gruppe von Daniel Kretinsky (EP Energy Transition).
  • 2016 verkaufte Vattenfall die Lausitzer Braunkohle an das tschechische Konsortium aus EPH und PPF.
  • Die Schweden gaben dabei Barmittel von rund 1,63 Milliarden Euro mit – die Käufer übernahmen dafür alle Verpflichtungen.
  • Zur LEAG gehören die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg sowie die Lausitzer Tagebaue.
  • Kritiker warnen vor Risiken bei den milliardenschweren Rekultivierungs-Verpflichtungen.

Wem gehört die LEAG heute?

Die LEAG gehört heute zu 100 Prozent der EP Energy Transition – einer Gesellschaft aus dem Firmenimperium des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Den Schlusspunkt setzte der März 2025: Die EP-Gruppe übernahm den 30-Prozent-Anteil des tschechischen Finanzinvestors PPF und wurde damit alleiniger Eigentümer, wie der Tagesspiegel unter Berufung auf dpa berichtete. Eine kartellrechtliche Freigabe war nicht erforderlich, ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Hinter dem Kürzel LEAG stehen dabei mehrere Gesellschaften: die Lausitz Energie Bergbau AG für die Tagebaue, die Lausitz Energie Kraftwerke AG für die Stromerzeugung und eine gemeinsame Verwaltungs-GmbH – alle mit Sitz in Cottbus, gehalten über eine Holding in Prag.

Wer ist Daniel Kretinsky?

Daniel Kretinsky ist ein tschechischer Milliardär und Chef der Energie- und Industrieholding EPH mit Sitz in Prag, die er weit über die Energiebranche hinaus ausgebaut hat. Zu seinem Portfolio gehören unter anderem der ostdeutsche Braunkohleförderer Mibrag, eine 20-Prozent-Beteiligung an der Stahlsparte von Thyssenkrupp, die britische Royal Mail sowie Anteile am Premier-League-Club West Ham United und an Sparta Prag. In Deutschland ist er längst kein Unbekannter mehr – in der Lausitz erst recht nicht.

Wie kam die Lausitzer Braunkohle zu den Tschechen?

Die Lausitzer Braunkohle wechselte 2016 den Besitzer, weil der schwedische Staatskonzern Vattenfall seine deutsche Kohlesparte aus Klima- und Imagegründen abstoßen wollte. Das Konsortium aus EPH und PPF übernahm die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg samt dem Block R in Lippendorf und den zugehörigen Tagebauen. Bezahlt wurde dabei faktisch andersherum: Vattenfall gab Barmittel von über 15 Milliarden Schwedischen Kronen – rund 1,63 Milliarden Euro – mit, dafür übernahmen die Käufer sämtliche Verbindlichkeiten inklusive Rekultivierungsverpflichtungen von etwa 1,96 Milliarden Euro, wie Niederlausitz Aktuell die Deal-Konditionen aufschlüsselt.

Zeitpunkt Ereignis
April 2016 Vattenfall verkündet Verkauf der Braunkohlesparte an EPH und PPF
2016 Gründung der LEAG-Gesellschaften mit Sitz in Cottbus
2021 PPF-Gründer Petr Kellner verunglückt tödlich – die Gruppe ordnet sich neu
Folgejahre Kretinsky bündelt die Kohle-Beteiligungen in der EP Energy Transition
März 2025 EP Energy Transition übernimmt die letzten 30 Prozent von PPF – 100-Prozent-Eigentümer

Warum ist die Eigentümerstruktur umstritten?

Die Eigentümerstruktur der LEAG steht in der Kritik, weil die milliardenschweren Folgekosten des Braunkohleabbaus – vor allem die Rekultivierung der Tagebaue – langfristig gesichert sein müssen. Die Brandenburger Grünen-Vorsitzende Andrea Lübcke warnte anlässlich der Komplettübernahme, Investoren könnten sich über verschachtelte Eigentümerkonstruktionen ihrer Verantwortung entziehen, während Region und Steuerzahler am Ende auf den Kosten sitzen bleiben – und verwies dabei auf Greenpeace-Recherchen zur Anteilsverschiebung innerhalb der Gruppe, wie aus einer Mitteilung der Partei hervorgeht. Die Unternehmensgruppe selbst betont dagegen, die Energiewende in der Lausitz fortsetzen zu wollen. Die Bewertung dieser Frage wird die Region noch Jahrzehnte beschäftigen.

Was macht die LEAG heute?

Die LEAG ist einer der größten Stromerzeuger Deutschlands: Sie fördert Braunkohle in den Lausitzer Tagebauen, betreibt die zugehörigen Großkraftwerke und beschäftigt Tausende Menschen in Brandenburg und Sachsen. Parallel baut der Konzern nach eigenen Angaben ein großes Erneuerbaren-Portfolio aus Wind- und Solarparks auf den Bergbaufolgeflächen auf – die Transformation weg von der Kohle, deren gesetzlicher Ausstieg spätestens 2038 kommt, ist das zentrale Zukunftsthema des Unternehmens und der gesamten Lausitz.

💡 Praxis-Tipp

Verschachtelte Konzernstrukturen mit Auslandsholdings lassen sich schwer durchschauen – ein guter Startpunkt ist der Jahresabschluss im Unternehmensregister: Dort müssen auch deutsche Töchter ausländischer Gruppen ihre Gesellschafter und Beherrschungsverhältnisse offenlegen.

Häufig gestellte Fragen

Ist die LEAG ein deutsches Unternehmen?

Operativ ja: Sitz, Tagebaue, Kraftwerke und Beschäftigte sind in Brandenburg und Sachsen zu Hause. Die Eigentümerkette führt jedoch über eine Prager Holding zur EP-Gruppe des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky.

Was hat Vattenfall für die Braunkohle bekommen?

Praktisch nichts – im Gegenteil: Vattenfall gab rund 1,63 Milliarden Euro an Barmitteln mit. Die Käufer übernahmen im Gegenzug sämtliche Verbindlichkeiten, darunter Rekultivierungsverpflichtungen von etwa 1,96 Milliarden Euro.

Wer oder was ist PPF?

Ein tschechischer Finanzkonzern, gegründet vom 2021 tödlich verunglückten Milliardär Petr Kellner. PPF war ab 2016 an der LEAG beteiligt und verkaufte den letzten 30-Prozent-Anteil im März 2025 an die EP-Gruppe.

Wem gehören die Tagebaue in der Lausitz?

Die aktiven Braunkohle-Tagebaue der Lausitz gehören zur Lausitz Energie Bergbau AG – und damit zur LEAG-Gruppe, deren Alleineigentümerin die EP Energy Transition ist.

Wie lange fördert die LEAG noch Braunkohle?

Der gesetzliche Kohleausstieg sieht das Ende der Braunkohleverstromung in der Lausitz spätestens 2038 vor. Parallel baut die LEAG Wind- und Solarprojekte auf ehemaligen Tagebauflächen auf.

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(Lesen Sie auch: Wem gehört Vattenfall? – dort begann die LEAG-Geschichte –, Wem gehört Uniper? und Wem gehört Innogy? – oder stöbern Sie im Wirtschafts-Ressort und im Branchenverzeichnis von Wer macht Was.)

Fazit

Wem gehört die LEAG? Seit März 2025 allein Daniel Kretinsky und seiner EP Energy Transition – das tschechische Kapitel der Lausitzer Kohle ist damit komplett. Was 2016 als Vattenfall-Notverkauf mit Milliarden-Mitgift begann, ist heute ein Konzern zwischen zwei Welten: Braunkohle bis längstens 2038 auf der einen Seite, Solar- und Windparks auf Tagebauflächen auf der anderen. Wer am Ende die Rechnung für die Altlasten trägt, bleibt die spannendste Frage der Lausitz.