Wirtschaft

Wem gehört Hornbach? Börsennotiert – und trotzdem unverkäuflich

Wem gehört Hornbach – Eigentümerstruktur mit Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft, Börse und KGaA-Modell

Wem gehört Hornbach? Die kurze Antwort: der Börse – und trotzdem fest der Familie. Die Hornbach Holding AG & Co. KGaA ist der einzige börsennotierte Baumarkt-Betreiber Deutschlands, doch die Mehrheit der Anteile liegt bei der Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft, und die Rechtsform KGaA sichert der Gründerfamilie die Führung selbst dann, wenn jemand alle frei handelbaren Aktien aufkaufen würde. Hornbach ist damit das seltene Kunststück gelungen, Börsenkapital einzusammeln, ohne die Kontrolle herzugeben – in mittlerweile fünfter und sechster Generation einer Familie, deren Wurzeln im Bauhandwerk bis ins frühe 18. Jahrhundert reichen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Börsennotiert (Hornbach Holding AG & Co. KGaA, Prime Standard) – Mehrheit und Führung liegen aber bei der Familie
  • Die KGaA-Konstruktion macht eine feindliche Übernahme praktisch unmöglich
  • 1877 als Schieferdecker-Betrieb in Landau gegründet; 1968 eröffnete Otmar Hornbach Europas ersten kombinierten Bau- und Gartenmarkt
  • Rund 6,2 Milliarden Euro Umsatz, etwa 25.000 Beschäftigte, Märkte in zehn europäischen Ländern

Wem gehört Hornbach? Die Struktur im Überblick

Ebene Wer Bedeutung
Hauptaktionärin Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft bündelt die Anteile der Familie und hält die Mehrheit
Übrige Aktien Streubesitz (Prime Standard der Deutschen Börse) jeder kann Hornbach-Aktionär werden
Führung Komplementärin der KGaA, kontrolliert von der Familie Geschäftsführung bleibt unabhängig von den Aktienmehrheiten in Familienhand
Darunter Hornbach Baumarkt AG, Immobilien AG, Baustoff Union die Baumarkt-Tochter wurde 2021/22 von der Börse genommen und gehört der Holding heute nahezu vollständig

Genau diese Doppelnatur unterscheidet Hornbach von der gesamten Konkurrenz: Wer möchte, kann sich per Aktie am einzigen börsennotierten deutschen Baumarkt-Konzern beteiligen – mitreden über die Führung kann aber dauerhaft nur die Familie. Zwei Wege zum selben Ziel zeigen übrigens Hornbach und BAUHAUS: Dort sichert eine verschwiegene Stiftung in Linz das Familienunternehmen, hier erledigt das die Rechtsform.

Vom Schieferdach zum ersten Bau- und Gartenmarkt Europas

Die Geschichte beginnt 1877, als Schieferdeckermeister Michael Hornbach in Landau in der Pfalz einen Handwerksbetrieb gründet; im Jahr 1900 ergänzt Sohn Wilhelm eine Baumaterialien-Handlung. Der historische Coup gelingt 1968 in Bornheim: Otmar Hornbach, Urenkel des Gründers, eröffnet den ersten kombinierten Bau- und Gartenmarkt Europas – die Sortiment-Kombination, die heute selbstverständlich klingt, war damals ein Novum und wurde zur Blaupause der ganzen Branche. 1987 folgt der Börsengang in Frankfurt, ab den Neunzigern die Europa-Expansion – heute stehen die großflächigen Projektmärkte (im Schnitt fast 12.000 Quadratmeter) in zehn Ländern von den Niederlanden bis Rumänien.

Wem gehört Hornbach an der Börse? Aktie ja, Übernahme nein

Seit dem Rückkauf der zwischenzeitlich separat notierten Baumarkt-Tochter (Delisting 2021/22 mit rund 30 Prozent Aufschlag für die freien Aktionäre) gibt es wieder genau eine Hornbach-Aktie: die der Holding-KGaA. Für Anleger ist sie die einzige Möglichkeit, direkt in einen deutschen Baumarkt-Betreiber zu investieren – OBI, BAUHAUS und toom sind allesamt nicht börsennotiert. Zuletzt stand die Gruppe bei rund 6,2 Milliarden Euro Umsatz mit etwa 25.000 Beschäftigten; im deutschen Markt ist Hornbach nach Standorten die kleinste der vier großen Ketten, nach Fläche und Projektfokus aber die wuchtigste.

Wem gehört Hornbach – und was heißt das für Kunden?

Wie überall in der Baumarkt-Staffel gilt: Stabilität. Familie plus KGaA-Schutzwall bedeuten, dass weder Übernahme noch Zerschlagung drohen – die sechste Generation arbeitet bereits mit. Wo die Hornbach-Märkte stehen und wie sich die vier Ketten unterscheiden, zeigt unser Überblick Baumärkte in Deutschland. Damit ist die Eigentümer-Staffel komplett: Wem gehört OBI? (Tengelmann und ein Bochumer Autohändler), Wem gehört toom? (am Ende eine Genossenschaft) und Wem gehört BAUHAUS? (die Stiftung des «Mystery-Man»).

Häufige Fragen

Wem gehört Hornbach?

Die Mehrheit der Hornbach Holding AG & Co. KGaA liegt bei der Hornbach Familien-Treuhandgesellschaft; der Rest ist Streubesitz an der Börse. Die Führung sichert sich die Familie zusätzlich über die KGaA-Rechtsform.

Ist Hornbach an der Börse?

Ja – als einziger deutscher Baumarkt-Betreiber. Die Holding-Aktie notiert im Prime Standard; die frühere separate Baumarkt-AG-Aktie wurde 2021/22 vom Markt genommen.

Kann Hornbach übernommen werden?

Praktisch nicht: Bei einer KGaA liegt die Geschäftsführung bei der Komplementärin – und die kontrolliert die Familie. Selbst eine Aktienmehrheit verschafft keinem Investor die Führung.

Seit wann gibt es Hornbach?

Als Handwerksbetrieb seit 1877 in Landau in der Pfalz. Den ersten kombinierten Bau- und Gartenmarkt Europas eröffnete die Familie 1968 in Bornheim – bis heute der Firmensitz der Gruppe.

Wie groß ist Hornbach?

Rund 6,2 Milliarden Euro Umsatz, etwa 25.000 Beschäftigte und großflächige Bau- und Gartenmärkte in zehn europäischen Ländern – in Deutschland knapp 100 Standorte.