Wem gehört Uniper? Seit der dramatischen Rettung in der Gaskrise 2022 fast vollständig der Bundesrepublik Deutschland: Rund 99 Prozent der Anteile am Düsseldorfer Energiekonzern liegen beim Bund. Doch das ist ein Zustand mit Ablaufdatum – die EU-Kommission verpflichtet den Staat, seine Beteiligung bis Ende 2028 auf maximal 25 Prozent plus eine Aktie zu reduzieren. Im Mai 2026 hat die Bundesregierung den Wiederverkauf offiziell gestartet.
Wem gehört Uniper? Der verstaatlichte Energieriese

- Der Bund hält rund 99 Prozent an der Uniper SE – über die staatliche UBG Uniper Beteiligungsgesellschaft.
- Uniper entstand 2016 als Abspaltung von E.ON; vor der Krise war der finnische Staatskonzern Fortum Mehrheitsaktionär.
- 2022 rettete der Bund den größten deutschen Gasimporteur mit einer Kapitalerhöhung von 8 Milliarden Euro zu 1,70 Euro je Aktie.
- Die EU verlangt: Reduktion der Staatsbeteiligung auf 25 Prozent plus eine Aktie bis Ende 2028.
- Seit Mai 2026 läuft der Reprivatisierungsprozess – geprüft werden Verkauf und Börsengang.
Wem gehört Uniper heute?
Uniper gehört heute zu rund 99 Prozent der Bundesrepublik Deutschland. Gehalten werden die Anteile über die UBG Uniper Beteiligungsgesellschaft, finanziert wurde die Übernahme über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes. Die restlichen Aktien liegen im Streubesitz – Uniper ist weiterhin börsennotiert, der frei handelbare Anteil ist aber minimal.
Kurios an der Konstellation: Uniper wechselte 2022 lediglich von einem Staat zum anderen. Vor der Rettung war der finnische Energiekonzern Fortum Mehrheitsaktionär – und Fortum wiederum wird mehrheitlich vom finnischen Staat kontrolliert. Deutschlands größter Gashändler war also schon vor der Verstaatlichung nie ein klassischer Privatkonzern.
Warum wurde Uniper verstaatlicht?
Uniper wurde verstaatlicht, weil der Konzern nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in existenzielle Not geriet: Uniper hatte Hunderte Stadtwerke und Industriebetriebe zu großen Teilen mit russischem Erdgas beliefert. Als Russland die Lieferungen über Nord Stream 1 stoppte, musste der Konzern die fehlenden Mengen zu explodierenden Preisen am Markt nachkaufen – mit Milliardenverlusten pro Monat.
Ein erstes Stabilisierungspaket vom Juli 2022 mit einer geplanten Staatsbeteiligung von 30 Prozent reichte nicht aus. Die Lage habe sich seither „für Uniper deutlich verschlechtert», begründete der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck im September 2022 die Komplettübernahme. Ökonomen wie der Düsseldorfer Professor Jens Südekum bewerteten die Verstaatlichung als weitgehend alternativlos, wie das Portal Düsseldorf Wirtschaft berichtete – die Gesamtkosten der Rettung wurden damals auf über 29 Milliarden Euro geschätzt, inklusive 13 Milliarden Euro an KfW-Krediten.
Wie lief die Rettung 2022 ab?
Die Rettung lief über eine Kapitalerhöhung von 8 Milliarden Euro im Dezember 2022, die ausschließlich der Bund zeichnete – zum Bezugspreis von 1,70 Euro je Aktie, wie das Fachportal Energiefirmen.de dokumentiert. Zusätzlich kaufte der Bund den Anteil des bisherigen Mehrheitsaktionärs Fortum für 480 Millionen Euro. So stieg die Staatsbeteiligung von zunächst rund 93 auf etwa 99 Prozent. Parallel wurde ein genehmigtes Kapital von bis zu 25 Milliarden Euro geschaffen – ein Sicherheitsnetz für den Krisenfall, das nicht voll gebraucht wurde: Uniper schrieb schon 2023 wieder Gewinne.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| Herbst 2016 | Abspaltung von E.ON: konventionelle Kraftwerke und Energiehandel werden Uniper |
| ab 2018 | Der finnische Staatskonzern Fortum baut die Mehrheit an Uniper auf |
| Juli 2022 | Erstes Stabilisierungspaket – geplante Staatsbeteiligung: 30 Prozent |
| September 2022 | Verstaatlichung angekündigt – Kauf des Fortum-Anteils für 480 Millionen Euro |
| Dezember 2022 | Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro (1,70 Euro je Aktie) – Bund bei rund 99 Prozent |
| Mai 2026 | Bundesfinanzministerium startet die Reprivatisierung per Investorenanzeige |
| bis Ende 2028 | EU-Frist: Reduktion der Staatsbeteiligung auf 25 Prozent plus eine Aktie |
Wann wird Uniper wieder privatisiert?
Die Reprivatisierung läuft bereits: Im Mai 2026 hat das Bundesfinanzministerium den Verkaufsprozess offiziell gestartet, wie das Handelsblatt berichtet. Geprüft werden ein Verkauf an Investoren und ein erneuter Börsengang (Re-IPO). Eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie will der Bund behalten – so bliebe der Staat auch künftig mit am Tisch, wenn es um kritische Energieinfrastruktur geht. Über Form, Umfang und Zeitpunkt ist noch nicht abschließend entschieden. Fest steht nur die EU-Frist: Ende 2028.
Was macht Uniper eigentlich?
Uniper ist Deutschlands größter Gasimporteur und -großhändler und zugleich ein großer Stromerzeuger in Europa. Der Konzern mit Sitz in Düsseldorf betreibt Gas-, Kohle- und Wasserkraftwerke in mehreren Ländern, handelt global mit Energie und beliefert Stadtwerke sowie Industriekunden. Nach der Krise richtet sich Uniper strategisch neu aus – weg vom russischen Pipelinegas, hin zu LNG, Wasserstoffprojekten und flexibler Erzeugung. Genau diese Rolle als Rückgrat der Versorgungssicherheit war 2022 der Grund, warum der Staat den Konzern nicht fallen lassen konnte.
Sie wollen wissen, an welchen Unternehmen der Bund noch beteiligt ist? Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht jährlich den Beteiligungsbericht des Bundes – von der Bahn über die Telekom bis zu Krisenbeteiligungen wie Uniper, kostenlos und mit allen Prozentzahlen.
Häufig gestellte Fragen
Ist Uniper ein Staatskonzern?
Ja, derzeit faktisch schon: Rund 99 Prozent der Anteile hält der Bund über die UBG Uniper Beteiligungsgesellschaft. Rechtlich bleibt Uniper eine börsennotierte SE mit Sitz in Düsseldorf – und der Staatsanteil sinkt bis 2028 deutlich.
Warum musste der Staat Uniper retten?
Weil nach dem russischen Lieferstopp 2022 Milliardenverluste aufliefen: Uniper musste vertraglich zugesagtes Gas zu extremen Marktpreisen nachkaufen, um Stadtwerke und Industrie weiter zu beliefern. Ein Zusammenbruch hätte die deutsche Gasversorgung gefährdet.
Kann ich Uniper-Aktien kaufen?
Ja, Uniper ist börsennotiert – der Streubesitz ist mit rund einem Prozent aber winzig. Mit der geplanten Reprivatisierung, möglicherweise über einen Re-IPO, dürfte der frei handelbare Anteil bis 2028 deutlich steigen.
Was hat die Uniper-Rettung gekostet?
Der Bund zeichnete eine Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro und zahlte 480 Millionen Euro an Fortum. Inklusive KfW-Kreditlinien von 13 Milliarden Euro wurden die Gesamtkosten der Rettung 2022 auf über 29 Milliarden Euro geschätzt – ein Teil floss inzwischen zurück.
Wem gehörte Uniper vor dem Staat?
Mehrheitlich dem finnischen Energiekonzern Fortum, der selbst vom finnischen Staat kontrolliert wird. Entstanden ist Uniper 2016 als Abspaltung der konventionellen Kraftwerke und des Energiehandels von E.ON.
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Fazit
Wem gehört Uniper? Noch dem deutschen Staat – zu rund 99 Prozent und als direktes Erbe der Gaskrise 2022. Doch die Uhr läuft: Bis Ende 2028 muss der Bund auf eine Sperrminorität zurückfahren, der Wiederverkauf ist seit Mai 2026 offiziell im Gang. Vom E.ON-Ableger über den finnischen Staatskonzern Fortum zum Bund und bald zurück in private Hände – kaum ein deutsches Unternehmen hat in zehn Jahren so oft den Eigentümer gewechselt wie Uniper.