Wem gehört Hermes eigentlich? Kurz gesagt: seit dem 1. Januar 2026 zu 100 Prozent der Hamburger Otto Group. Der Finanzinvestor Advent International, der seit 2020 mit 25 Prozent an Hermes Germany beteiligt war, hat seinen Anteil für 118 Millionen Euro an Otto zurückverkauft. Der Deal wurde zum 31. Dezember 2025 abgeschlossen – nach fünf Jahren gehört der Paketdienst damit wieder vollständig zur Handelsgruppe, die auch den Otto-Katalog und weitere Logistiktöchter besitzt.
Wem gehört Hermes? Otto Group, Advent und die 118-Millionen-Rückkehr

- Die Otto Group hält seit dem 1. Januar 2026 wieder 100 Prozent an Hermes Germany, zuvor waren es 75 Prozent.
- Advent International verkaufte seinen 25-%-Anteil für 118 Millionen Euro zurück; der Deal wurde zum 31. Dezember 2025 abgeschlossen.
- Hermes Germany machte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Verlust von 231 Millionen Euro bei 1,6 Milliarden Euro Umsatz.
- Das Unternehmen beschäftigt rund 5.500 bis 5.600 Festangestellte plus etwa 10.000 bis 10.500 externe Zusteller und betreibt laut eigenen Angaben rund 16.000 bis 17.000 PaketShops bundesweit.
- Ein Sparprogramm strich seit April 2025 bis zu 850 Stellen.
- Gegründet wurde Hermes 1972 in Hamburg als private Paketmarke von Otto-Versand.
Wem gehört Hermes heute?
Hermes Germany GmbH mit Sitz in Hamburg gehört seit dem 1. Januar 2026 zu 100 Prozent der Otto Group. Zuvor hielt die Handelsgruppe 75 Prozent, die restlichen 25 Prozent lagen beim US-Finanzinvestor Advent International. Otto hat diesen Minderheitsanteil zum Jahreswechsel 2025/2026 zurückgekauft und damit die volle Kontrolle über den Paketdienst zurückgewonnen.
Wer ist Advent International und warum ist der Investor ausgestiegen?
Advent International ist eine US-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft, die 2020 im Zuge einer größeren Transaktion sowohl eine Mehrheit an der britischen Hermes-Schwester Evri (damals Hermes UK) als auch 25 Prozent an Hermes Germany übernahm. Nach fünf Jahren endete die Partnerschaft: Kay Schiebur, im Otto-Group-Vorstand für den Bereich Services zuständig, erklärte laut Verkehrsrundschau, durch die vertrauensvolle Partnerschaft mit Advent habe sich Hermes Germany erfolgreich weiterentwickelt – nun könne man „die nächsten wichtigen Schritte eigenständig und zielgerichtet umsetzen».
(Lesen Sie auch: Wem gehört DPD? und Wem gehört GLS?)
Wie viel Geld musste Otto für den Rückkauf zahlen?
Otto zahlte 118 Millionen Euro in bar für die 25 Prozent von Advent. Nach Kaufpreisallokation inklusive IFRS-Effekten und konzerninterner Darlehen ergab sich ein Gesamtwert von 180 Millionen Euro, wovon Otto 173 Millionen Euro als Geschäfts- und Firmenwert (Goodwill) verbuchte – bei einem Nettobuchwert von nur 7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der ursprüngliche Einstieg von Advent im Jahr 2020 hatte das Gesamtunternehmen mit rund 1 Milliarde Euro bewertet.
Warum schreibt Hermes weiterhin Verluste?
Im Geschäftsjahr 2024/2025 verbuchte Hermes Germany einen Verlust von 231 Millionen Euro bei 1,6 Milliarden Euro Umsatz – nach 63 Millionen Euro Verlust im Vorjahr. Otto schrieb den Buchwert seiner Beteiligung deshalb vollständig ab. Seit April 2025 läuft ein Sparprogramm mit dem Namen „Full Potential Program», das bis zu 850 Stellen strich, etwa je zur Hälfte im gewerblichen und im administrativen Bereich. Laut Otto sinken die Verluste inzwischen spürbar, eine mittelfristige Rückkehr in die Gewinnzone werde für 2027 angestrebt.
Was hat Hermes mit DPD und GLS gemeinsam?
Alle drei zählen zu den großen Paketdiensten in Deutschland – und alle drei haben in den vergangenen Jahren den Eigentümer gewechselt oder gefestigt: DPD gehört der staatlichen französischen La Poste, GLS dem tschechischen Milliardär Daniel Křetínský über die EP Group. Hermes ist der einzige der drei mit rein deutschen Wurzeln und bundesweit rund 16.000 bis 17.000 PaketShops im Netz – wo genau sich davon einer in der Nähe befindet, zeigt eine Standortsuche.
(Lesen Sie auch: Paketshop in der Nähe: DHL, Hermes und UPS im Vergleich)
Was bedeutet die Übernahme für Hermes-Kunden?
Für Empfänger und Versender ändert sich im Alltag zunächst nichts: PaketShops, Sendungsverfolgung und Tarife laufen unverändert weiter. Otto stuft das Sanierungsrisiko bei Hermes inzwischen von „sehr hoch» auf „mittel» herab und investiert laut eigenen Angaben in IT-Infrastruktur, Kassensysteme in den PaketShops und Sortiertechnik – Anzeichen dafür, dass der Konzern langfristig auf die eigene Logistiktochter setzt statt auf einen Verkauf. Wer selbst gewerblich versendet oder eine Spedition sucht, findet lokale Anbieter im Verzeichnis für Transport & Logistik.
Ein Paket schon unterwegs? Die Hermes-Sendungsverfolgung zeigt live, wo es sich befindet – unabhängig davon, wem der Konzern gerade gehört.
Hermes Germany im Überblick
| Kennzahl | Wert | Stand |
|---|---|---|
| Anteil Otto Group | 100 % (zuvor 75 %) | seit 01.01.2026 |
| Rückkaufpreis Advent-Anteil | 118 Mio. € | Abschluss 31.12.2025 |
| Umsatz Geschäftsjahr 2024/2025 | 1,6 Mrd. € | Otto-Geschäftsbericht |
| Verlust Geschäftsjahr 2024/2025 | 231 Mio. € | Otto-Geschäftsbericht |
| Beschäftigte / externe Zusteller | ~5.600 / ~10.000–10.500 | Ende 2024 |
| PaketShops bundesweit | ~16.000–17.000 | Hermes-Angaben |
| Gegründet | 1972, Hamburg | – |
Häufig gestellte Fragen
Wem gehört Hermes seit 2026?
Wem gehört Hermes seit dem 1. Januar 2026? Zu 100 Prozent der Otto Group aus Hamburg. Zuvor hielt die Gruppe 75 Prozent, 25 Prozent lagen beim Finanzinvestor Advent International.
Ist Hermes dasselbe Unternehmen wie Evri in Großbritannien?
Nein. Evri (früher Hermes UK) ist ein eigenständiges Unternehmen, an dem Advent International seit 2020 die Mehrheit hält. Hermes Germany und Evri waren nie identisch, sondern nur über die gemeinsame Marken-Historie und teils dieselben Investoren verbunden.
Warum hat Advent seinen Anteil an Hermes Germany verkauft?
Beide Seiten sprechen von einer planmäßig beendeten, fünfjährigen Partnerschaft. Advent-Manager Ranjan Sen erklärte, man habe Hermes Germany gemeinsam in einer wichtigen Entwicklungsphase begleitet.
Macht Hermes Gewinn?
Nein, aktuell nicht: Im Geschäftsjahr 2024/2025 stand ein Verlust von 231 Millionen Euro zu Buche. Otto spricht von sinkenden Verlusten und einer angestrebten Rückkehr in die Gewinnzone bis etwa 2027.
Wie viele PaketShops betreibt Hermes in Deutschland?
Nach eigenen Angaben unterhält Hermes rund 16.000 bis 17.000 PaketShops bundesweit, verteilt auf Kioske, Tankstellen, Schreibwarenläden und weitere Partnerbetriebe.
Gehört Hermes irgendwann DHL oder DPD?
Nein, das sind unabhängige Unternehmen mit eigenen Konzernstrukturen: DHL gehört zur teilstaatlichen Deutsche Post DHL Group, DPD zur französischen La Poste.
Fazit
Wem gehört Hermes – seit 2026 lautet die Antwort klar: der Otto Group, ohne Umwege über einen Finanzinvestor. Der Rückkauf für 118 Millionen Euro ist für die Hamburger Gruppe eine Wette darauf, dass sich der defizitäre Paketdienst mit eigenständiger Sanierung schneller stabilisieren lässt als im Konstrukt mit einem externen Miteigentümer. Ob das aufgeht, zeigen die nächsten Geschäftsjahre.
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Quellen: Verkehrsrundschau, exciting commerce und Wikipedia (Abruf: 15.09.2026).