Wem gehört Lidl – und wem Kaufland? Beide gehören zur Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm, dem umsatzstärksten Handelskonzern Europas – und der hat eine der ungewöhnlichsten Eigentümerstrukturen des Landes: Mehr als 99 Prozent der Gruppe liegen bei Stiftungen, die der Gründer Dieter Schwarz aufgesetzt hat. Der inzwischen über 85-jährige Schwarz gilt mit einem geschätzten Vermögen von rund 46 bis 50 Milliarden Euro als reichster Deutscher – und ist zugleich einer der öffentlichkeitsscheusten Unternehmer überhaupt: kaum Fotos, keine Interviews. Wie das Konstrukt funktioniert und was 2025 für Rekordzahlen brachte, hier im Überblick.
Wem gehört Lidl und Kaufland? Das Stiftungs-Imperium der Schwarz-Gruppe

Anders als bei Aldi (Familienstämme) oder EDEKA und REWE (Genossenschaften) hat Dieter Schwarz sein Imperium in eine Stiftungsarchitektur überführt: Das Kapital der Gruppe liegt ganz überwiegend bei der gemeinnützigen Dieter Schwarz Stiftung, die ihre Ausschüttungen in Bildung und Forschung lenkt – vom Bildungscampus Heilbronn bis zum milliardenschweren KI-Innovationspark. Die Stimmrechte und damit die unternehmerische Kontrolle liegen getrennt davon bei der Schwarz Unternehmenstreuhand, in der langjährige Vertraute des Gründers das Sagen haben. Das Ergebnis: Es gibt keine Aktionäre, keine erbenden Familienzweige mit Mitspracherecht und nichts, was ein Investor kaufen könnte – dafür aber auch, wie Kritiker anmerken, ein Höchstmass an Intransparenz, denn öffentliche Rechenschaft muss das Konstrukt kaum ablegen.
Die Zahlen 2025: Rekordjahr mit zwei Handelssäulen
| Sparte | Geschäftsjahr 2025 |
|---|---|
| Lidl (Filialumsatz) | 140,2 Mrd. € (+6,1 %) |
| Kaufland (Filialumsatz) | 36,7 Mrd. € (+4,3 %) |
| Online-Umsatz beider Ketten | 1,7 Mrd. € |
| PreZero (Recycling) / Produktion / Schwarz Digits | 4,1 / 5,7 / 2,2 Mrd. € |
| Filialen | 14.500 in 33 Ländern (DE: über 3.250 Lidl, 790 Kaufland) |
| Beschäftigte | 604.000 (davon 217.000 in Deutschland) |
Bemerkenswert an der Gruppe ist die Tiefe der Wertschöpfung: Mit PreZero betreibt sie einen eigenen Entsorgungs- und Recyclingkonzern, mit der Schwarz Produktion eigene Lebensmittelwerke für die Eigenmarken – und mit Schwarz Digits inzwischen sogar eine wachsende IT- und Cloud-Sparte.
Vom Namenskauf zur Nummer 1: die kurze Geschichte
Die Wurzeln liegen im Heilbronner Lebensmittelgrosshandel des Vaters Josef Schwarz. Den ersten Lidl-Discounter eröffnete Dieter Schwarz 1973 – der Name stammt übrigens nicht aus der Familie: Schwarz erwarb die Namensrechte vom pensionierten Lehrer Ludwig Lidl, weil ein Laden namens «Schwarz-Markt» kaum werbetauglich gewesen wäre. Aus dem einen Laden wurde der grösste Discounter Europas, mit Kaufland als zweiter Säule im SB-Warenhaus-Format. Wie sich das Modell von den Genossenschafts-Rivalen unterscheidet, zeigen unsere Artikel Wem gehört EDEKA? und Wem gehört REWE? – und den zweiten grossen Familien-Discounter beleuchtet Wem gehört Aldi?
Häufige Fragen
Wem gehört Kaufland?
Kaufland gehört wie Lidl zur Schwarz-Gruppe – und damit derselben Stiftungsstruktur um die Dieter Schwarz Stiftung und die Schwarz Unternehmenstreuhand.
Ist Lidl an der Börse?
Nein. Die Schwarz-Gruppe war nie börsennotiert, es gibt keine Lidl- oder Kaufland-Aktie – und wegen der Stiftungskonstruktion auch keinen Weg für externe Investoren.
Wer ist Dieter Schwarz?
Der Gründer der Gruppe, Jahrgang 1939, gilt mit geschätzten 46 bis 50 Milliarden Euro als reichster Deutscher – und meidet die Öffentlichkeit fast vollständig; es existieren kaum aktuelle Fotos von ihm.
Was passiert mit Lidl nach Dieter Schwarz?
Die Nachfolge ist über die Stiftungen bereits geregelt: Kapital und Stimmrechte liegen dort dauerhaft, geführt wird von Managern und Vertrauten – ein Erbstreit wie in klassischen Familienkonzernen ist damit konstruktiv ausgeschlossen.
Gehören Lidl und Aldi zusammen?
Nein – das ist einer der häufigsten Irrtümer. Aldi gehört den Stiftungen der Gründerfamilien Albrecht, Lidl der Schwarz-Gruppe. Die beiden Discounter sind direkte Konkurrenten.