Wem gehört REWE? Die Antwort ist ungewöhnlicher als bei fast jedem anderen Handelskonzern: REWE gehört keiner Familie, keinem Investor und keinen Aktionären – sondern seinen eigenen Kaufleuten. Die REWE Group ist eine Genossenschaft: Obergesellschaft ist die REWE-Zentralfinanz eG mit Sitz in Köln, deren Anteile von fünf regionalen REWE-Genossenschaften und der FürSie eG gehalten werden. Mitglieder dieser Genossenschaften sind nach Konzernangaben rund 1.800 selbstständige Kaufleute, die ihre Märkte eigenverantwortlich führen – und über die Genossenschaftsstruktur zugleich mittelbare Eigentümer des Gesamtkonzerns sind. 2025 übersprang die Gruppe erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro Gesamtaussenumsatz.
Wem gehört REWE? Die Genossenschaft der 1.800 Kaufleute

An der Spitze der REWE Group steht keine Holding einer Unternehmerfamilie, sondern die REWE-Zentralfinanz eG – eine eingetragene Genossenschaft mit Sitz in Köln. Ihre Anteilseigner sind die fünf regionalen REWE-Genossenschaften gemeinsam mit der FürSie eG. Mitglieder dieser Regionalgenossenschaften wiederum sind die selbstständigen REWE-Kaufleute: Menschen, die ihre Supermärkte vor Ort als eigene Unternehmen führen. Wer als Kaufmann Mitglied seiner Regionalgenossenschaft ist, wird damit mittelbar Miteigentümer des gesamten Konzerns – vom Supermarkt um die Ecke bis zum Reiseveranstalter. Nach eigenen Angaben sind aktuell rund 1.800 Kaufleute aktiv, die zusammen etwa 2.300 Märkte betreiben; insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 380.000 Menschen.
Das Kaufmannsmodell: 80 Prozent Eigenverantwortung
Wie eng Eigentum und Tagesgeschäft verzahnt sind, zeigt das Partnerschaftsmodell: Ein selbstständiger REWE-Kaufmann führt seinen Markt typischerweise als offene Handelsgesellschaft, an der er selbst die Mehrheit von rund 80 Prozent hält, während die REWE-Gruppe mit etwa 20 Prozent beteiligt bleibt. Der Kaufmann trägt das unternehmerische Risiko, entscheidet über Sortiment-Feinheiten und Personal – und profitiert im Gegenzug von Einkauf, Logistik und Marke des Verbunds. Genau dafür wurde die Genossenschaft einst gegründet: als Einkaufsgemeinschaft kleiner Händler, die alleine gegen die Grossen keine Chance gehabt hätten.
Die Zahlen: erstmals über 100 Milliarden Euro
Im Geschäftsjahr 2025 hat die REWE Group erstmals die 100-Milliarden-Marke übersprungen – die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:
| Kennzahl 2025 | Wert |
|---|---|
| Gesamtaussenumsatz | 100,4 Mrd. € (+4,0 %) |
| Konzernumsatz | 91,1 Mrd. € (+3,7 %) |
| Operatives Ergebnis (EBITA) | über 1,5 Mrd. € (2024: knapp 2 Mrd. €) |
| Jahresüberschuss | 525 Mio. € (2024: 1 Mrd. € inkl. Steuer-Einmaleffekt) |
| Investitionen | 2,5 Mrd. € |
| Mitarbeitende | rund 380.000 |
REWE Deutschland trug 32,4 Milliarden Euro bei (+3,0 Prozent), der Discounter PENNY hierzulande 9,9 Milliarden (+0,7 Prozent), das internationale Geschäft 31,3 Milliarden. Dass der Gewinn trotz Umsatzrekord deutlich sank, erklärt der Konzern mit hohen Investitionen in Preise, Vorteilsprogramme und Infrastruktur – ein Kurs, den sich eine Genossenschaft ohne Quartalsdruck der Börse leisten kann. Geführt wird die Gruppe von Vorstandschef Lionel Souque; kontrolliert wird der Vorstand von einem Aufsichtsrat, in dem die Kaufleute selbst den Ton angeben.
Was alles zur REWE Group gehört
Hinter der Genossenschaft steckt weit mehr als der Supermarkt: In Deutschland gehören neben REWE und nahkauf der Discounter PENNY und die Baumarktkette toom zur Gruppe – warum toom damit einer der wenigen Baumärkte ohne Familieneigentümer ist, liest du im Artikel Wem gehört toom?. In Österreich betreibt die Gruppe BILLA, BIPA und ADEG, im Baltikum IKI, dazu PENNY International. Der Convenience-Grosshändler Lekkerland (Kioske, Tankstellen) kam 2020 hinzu. Und mit der DERTOUR Group – Marken wie Dertour, ITS, Kuoni, Apollo und Exim Tours – ist REWE seit Ende der 1980er auch einer der grössten Reisekonzerne Europas. All das gehört am Ende denselben Eigentümern: den Kaufleuten.
1927 gegründet: Fast hundert Jahre Genossenschaft
REWE entstand 1927 in Köln als Zusammenschluss von 17 Einkaufsgenossenschaften – der Name stand für «Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften». Die Idee dahinter hat sich bis heute nicht geändert: Selbstständige Händler bündeln Einkauf und Kräfte, bleiben aber Unternehmer im eigenen Laden. Während Wettbewerber wie die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) oder Aldi als Familienkonzerne ohne externe Mitsprache geführt werden, teilt sich REWE dieses Modell nur mit EDEKA – dem zweiten grossen Genossenschaftsverbund im deutschen Lebensmittelhandel. 2027 wird die REWE Group hundert Jahre alt.
Häufige Fragen
Ist REWE an der Börse?
Nein. Die REWE Group ist nicht börsennotiert und war es nie. Es gibt keine Aktien, keinen Kurs und keine Dividende für externe Anleger – die Anteile liegen vollständig bei den Genossenschaften der Kaufleute.
Kann REWE übernommen werden?
Praktisch nicht. Da die Anteile bei den Regionalgenossenschaften und damit bei den Kaufleuten selbst liegen, gibt es kein Aktienpaket, das ein Investor kaufen könnte. Die genossenschaftliche Struktur wirkt wie ein eingebauter Übernahmeschutz.
Gehört toom Baumarkt wirklich zu REWE?
Ja, toom ist eine hundertprozentige Vertriebslinie der REWE Group – und damit die einzige grosse deutsche Baumarktkette in genossenschaftlichem Eigentum. Die Hintergründe stehen im eigenen Artikel zu toom.
Ist der REWE-Markt um die Ecke ein Konzernladen?
Oft nicht: Rund 1.800 selbstständige Kaufleute betreiben etwa 2.300 REWE-Märkte in eigener Verantwortung – meist als OHG, an welcher der Kaufmann die Mehrheit hält. Daneben gibt es auch von der Zentrale geführte Filialen.
Wer ist der Chef von REWE?
Vorstandsvorsitzender der REWE Group ist Lionel Souque. Eigentümer ist er damit aber nicht – die Kontrolle liegt über Genossenschaften und Aufsichtsrat bei den selbstständigen Kaufleuten.