Wirtschaft

Wem gehört MediaMarkt? JD.com, Ceconomy und die Familie Kellerhals

Eigentümerstruktur von MediaMarkt mit JD.com, Ceconomy und der Familie Kellerhals im Überblick

Wem gehört MediaMarkt? Die kurze Antwort: MediaMarkt und Saturn gehören zur MediaMarktSaturn Retail Group, deren Mutter die börsennotierte Ceconomy AG aus Düsseldorf ist – und dort haben inzwischen der chinesische Handelskonzern JD.com und die Gründerfamilie Kellerhals zusammen 85,2 Prozent der Anteile. Die Übernahme durch JD.com ist damit wirtschaftlich entschieden, aber – Stand 4. August 2026 – formal noch nicht vollzogen: Ausgerechnet Österreich wurde zur letzten Hürde, der ursprüngliche Zeitplan ist geplatzt. Hier ist die ganze Eigentümer-Kette, verständlich erklärt.

Das Wichtigste in Kürze
  • MediaMarkt + Saturn → MediaMarktSaturn Retail Group → Ceconomy AG (Düsseldorf)
  • JD.com hält 59,8 % an Ceconomy, die Kellerhals-Holding Convergenta 25,35 % – zusammen 85,2 %
  • Formaler Vollzug steht noch aus: Die Prüfung in Österreich verzögert den Abschluss über das geplante erste Halbjahr 2026 hinaus
  • Zusagen: keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Standortschließungen bis Ende 2028

Wem gehört MediaMarkt heute konkret?

Die Kette ist dreistufig. Die einzelnen Märkte – in Deutschland 377 MediaMarkt- und 49 Saturn-Häuser (eigene Auszählung, Stand 04.08.2026) – gehören zur MediaMarktSaturn Retail Group, Europas größtem Elektronikhändler mit mehr als 1.000 Märkten in elf Ländern und rund 48.000 Beschäftigten. Deren Muttergesellschaft ist die Ceconomy AG. Und auf dieser Ebene hat sich 2025 alles verändert: Der chinesische E-Commerce-Konzern JD.com sammelte über sein Übernahmeangebot 59,8 Prozent der Ceconomy-Aktien ein. Zusammen mit der Convergenta – der Beteiligungsholding der Gründerfamilie Kellerhals, die 25,35 Prozent hält und an Bord bleibt – kontrolliert das Bündnis 85,2 Prozent des Unternehmens. Der Rest liegt im Streubesitz.

Wer ist JD.com?

JD.com aus Peking ist einer der größten Online-Händler der Welt und vor allem für seine hochautomatisierte Logistik bekannt – der Konzern konkurriert in China mit Alibaba und international mit Amazon. An der Börse ist JD.com in New York (Nasdaq) und Hongkong notiert. Für Ceconomy bot das Unternehmen 4,60 Euro je Aktie in bar, ein Aufschlag von rund 43 Prozent auf den damaligen Durchschnittskurs. Erklärtes Ziel: MediaMarktSaturn mit JD-Technologie und Logistik-Know-how zur führenden europäischen Omnichannel-Plattform für Elektronik auszubauen.

Ist die Übernahme schon durch?

Wirtschaftlich ja, juristisch nein – und genau hier liegt der Stand, den viele Artikel falsch wiedergeben. Die Fusionskontroll-Freigaben liegen vor, auch das deutsche Bundeskartellamt hat nicht widersprochen, und Italien genehmigte zuletzt unter strengen Datenschutz-Auflagen seiner „Golden Power»-Regeln. Doch dann kam Österreich: Bei der Investitionsprüfung in Wien musste JD.com seinen Antrag im Frühjahr 2026 zurückziehen und neu anlaufen lassen – der Konzern selbst stellte daraufhin den geplanten Vollzug im ersten Halbjahr 2026 infrage, und bis heute ist kein Abschluss gemeldet. Nach dem Vollzug soll Ceconomy von der Börse genommen werden (Delisting). Vereinbart ist außerdem, dass es für mindestens drei Jahre keinen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag geben wird – Ceconomy soll als eigenständiges Unternehmen weiterlaufen.

Was ändert sich für Kunden und Beschäftigte?

Kurzfristig wenig – und das ist vertraglich fixiert: JD.com hat zugesagt, bis Ende 2028 auf betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen zu verzichten; auch die Unternehmensstrukturen sollen mehrere Jahre unangetastet bleiben. Für dich als Kunde bleiben die Märkte, das Personal und die Marke also erst einmal, wie sie sind. Mittelfristig dürfte JD vor allem hinter den Kulissen wirken: schnellere Logistik, mehr Online-Verzahnung, moderneres Sortiment-Management. Einen Wechsel an der Konzernspitze gibt es trotzdem: CEO Karsten Wildberger wechselte 2025 als Minister in die Bundesregierung, und für seinen Nachfolger Kai-Ulrich Deissner ist mit Remko Rijnders bereits der nächste Chef designiert.

Und wem gehört Saturn?

Denselben Eigentümern – Saturn war nie eigenständig im Konzern, sondern seit 1990 die Schwestermarke von MediaMarkt. Sichtbar ist allerdings der Rückbau: Von einst rund 150 Saturn-Häusern in Deutschland sind noch 49 übrig (Stand 04.08.2026), die übrigen wurden auf MediaMarkt umgeflaggt. Die Marke verschwindet also schleichend, die Standorte bleiben meist bestehen.

Wem gehört MediaMarkt historisch? Von Kellerhals zu JD.com

Den ersten Saturn eröffnete das Ehepaar Waffenschmidt 1961 in Köln, den ersten MediaMarkt gründete Erich Kellerhals mit Partnern 1979 in München. 1990 kamen beide Ketten unter ein Dach, lange als Teil des Metro-Konzerns. 2017 spaltete Metro sein Elektroniksparten-Geschäft als Ceconomy AG ab – seither ist MediaMarktSaturn eigenständig börsennotiert, mit der Kellerhals-Familie als machtbewusstem Ankeraktionär. Dass ausgerechnet sie den Einstieg der Chinesen mitträgt und beteiligt bleibt, ist die vielleicht größte Pointe dieser Übernahme: Aus dem jahrelangen Machtkampf zwischen Familie und Konzernführung wird eine gemeinsame Zukunft unter chinesischem Mehrheitseigner.

Alle Standorte der Gruppe findest du übrigens in unserem Verzeichnis – mit Adresse, Öffnungszeiten und Karte: MediaMarkt Filialen in Deutschland gibt den Überblick, die Kategorie Handel & Einzelhandel listet jeden Markt einzeln. Und wenn dich Eigentümer-Ketten grundsätzlich packen: In der Serie haben wir schon geklärt, wem IKEA gehört, wem GLS gehört und wem Coop gehört.

Häufige Fragen

Wem gehört MediaMarkt – ist der Konzern jetzt chinesisch?

Fast: JD.com aus Peking hält 59,8 Prozent an der Mutter Ceconomy und kontrolliert mit der Kellerhals-Holding Convergenta zusammen 85,2 Prozent. Der formale Vollzug der Übernahme steht wegen der Prüfung in Österreich aber noch aus (Stand: August 2026).

Wem gehört MediaMarkt eigentlich vor der Übernahme – wer war Eigentümer?

Lange der Metro-Konzern: dem Handelsriesen gehörte die Kette bis zur Abspaltung, aus 2017 wurde die Elektroniksparte als Ceconomy AG abgespalten. Mitgründer Erich Kellerhals und seine Familie blieben über die Convergenta stets Großaktionäre – und sind es auch unter JD.com.

Wird MediaMarkt von der Börse genommen?

Nicht MediaMarkt selbst – die Marke war nie börsennotiert –, aber die Mutter Ceconomy: Nach dem Vollzug der Übernahme plant JD.com den Rückzug der Aktie von der Börse (Delisting).

Werden Märkte geschlossen?

JD.com hat zugesagt, bis Ende 2028 auf betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen zu verzichten. Die sichtbaren Veränderungen betreffen die Marke Saturn, deren Häuser auf MediaMarkt umgeflaggt werden – geöffnet bleiben sie in der Regel trotzdem.

Wem gehört Saturn?

Ebenfalls der Ceconomy-Gruppe und damit mehrheitlich JD.com und der Familie Kellerhals. Saturn ist seit 1990 die Schwestermarke von MediaMarkt; von einst rund 150 Häusern sind noch 49 übrig.