Wirtschaft

Wem gehört IKEA? Zwei Stiftungen, kein Eigentümer

Wem gehört IKEA – Einrichtungshaus mit Darstellung der Ingka Group und Inter IKEA Group

Wem gehört IKEA? Im klassischen Sinn: niemandem. Hinter dem Möbelkonzern stehen keine Aktionäre und keine Familie, sondern zwei rechtlich getrennte Stiftungen. Die eine besitzt die Einrichtungshäuser, die andere die Marke. Beide haben laut Satzung keine wirtschaftlich Berechtigten – niemand kann das Vermögen an sich ausschütten lassen. Ingvar Kamprad hat diese Konstruktion 1982 geschaffen.

Kurz zusammengefasst
Die Frage „Wem gehört IKEA“ hat zwei Antworten: Die Häuser gehören der Stichting INGKA Foundation in den Niederlanden, die Marke der Inter IKEA Foundation in Liechtenstein. Beide Stiftungen haben keine Eigentümer. Jedes IKEA-Haus weltweit zahlt 3 Prozent seines Nettoumsatzes als Franchisegebühr.

Das Wichtigste im Überblick

  • Zwei getrennte Konzerne mit getrennten Eigentümern, getrennter Führung und gleichem Namen
  • Ingka Group betreibt 411 Einrichtungshäuser in 31 Ländern, Umsatz 41,5 Milliarden Euro
  • Inter IKEA Group besitzt die Marke und kassiert die Franchisegebühren, Umsatz 26,3 Milliarden Euro
  • Seit dem 31. August 2023 ist nicht mehr die Interogo Foundation Eigentümerin der Marke
  • Die Familie Kamprad besitzt kein IKEA mehr – ihr Vermögen liegt in der Ikano Group

Wem gehört IKEA – die kurze Antwort

IKEA ist kein einzelner Konzern, sondern ein Franchise-System aus mehreren Unternehmensgruppen. Zwei davon sind entscheidend. Die Ingka Group mit Sitz im niederländischen Leiden betreibt die allermeisten Einrichtungshäuser und ist damit das, was du als Kunde vor Ort erlebst. Die Inter IKEA Group besitzt die Marke, das Sortiment und das Ladenkonzept – und kassiert dafür Gebühren von allen, die IKEA-Häuser betreiben. Beide Gruppen haben denselben Gründer, aber unterschiedliche Eigentümer und unterschiedliche Geschäftsführungen. Wer wissen will, wem gehört IKEA, muss deshalb immer fragen: welcher Teil davon?

Wem gehören die IKEA-Einrichtungshäuser?

Der Ingka Group. Sie gehört zu hundert Prozent der Stichting INGKA Foundation, einer niederländischen Stiftung, in die Ingvar Kamprad 1982 sein Eigentum überführte. Der Name ist ein Kürzel aus seinen Initialen und seinem Geburtsort. Diese Stiftung hat, wie sie selbst formuliert, weder Eigentümer noch wirtschaftlich Berechtigte. Sie hält ihr Vermögen ausschließlich für sich; an private Anteilseigner fließen keine Dividenden.

Auf die Frage „Wem gehört IKEA“ lautet die Antwort für diesen Strang also: einer Stiftung, die sich selbst gehört. Der Gewinn wird gesplittet: 85 Prozent fließen zurück ins Geschäft, 15 Prozent gehen als Dividende an die Stiftung, die damit die IKEA Foundation finanziert – eine unabhängige Förderorganisation für Projekte gegen Armut und Klimawandel. Im Geschäftsjahr 2025 setzte die Ingka Group 41,5 Milliarden Euro um, 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Nettogewinn stieg von 0,8 auf 1,4 Milliarden Euro. Geführt wird die Gruppe von Juvencio Maeztu.

Wem gehört die Marke IKEA?

Hier wird es interessant – und hier liegen die meisten deutschsprachigen Artikel inzwischen falsch. Die Marke, das Sortiment und das Franchise-System gehören der Inter IKEA Group, konkret der Inter IKEA Systems B.V. als weltweitem Franchisegeber. Jedes IKEA-Haus auf der Welt zahlt ihr drei Prozent des Nettoumsatzes – auch die Häuser der Ingka Group. Die Ingka Group ist dabei nur einer von zwölf Franchisenehmern, wenn auch mit Abstand der größte.

Eigentümerin der Inter IKEA Group ist seit 2023 die Inter IKEA Foundation mit Sitz in Liechtenstein. Nicht mehr die Interogo Foundation, wie du es in fast jedem älteren Text lesen wirst.

Was hat sich 2023 geändert?

Zum 31. August 2023 spaltete sich die Interogo Foundation in zwei getrennte Unternehmensstiftungen nach liechtensteinischem Recht auf. Die neu gegründete Inter IKEA Foundation übernahm das IKEA-Geschäft, also die Inter IKEA Holding B.V. samt Marke und Franchise-System. Die Interogo Foundation blieb Eigentümerin der Interogo Holding AG – das ist das reine Investmentgeschäft mit Immobilien- und Finanzbeteiligungen, das mit Möbeln nichts zu tun hat. IKEA selbst begründet den Schritt damit, den Fokus zu schärfen und die Abstimmung mit kommenden Regulierungen zu vereinfachen. Beide Stiftungen haben denselben Zweck: die Unabhängigkeit des IKEA-Konzepts zu sichern. Wer heute nachschlägt, wem gehört IKEA, und dabei auf die Interogo Foundation stösst, liest also einen veralteten Stand.

Wie sieht die Struktur im Überblick aus?

Ebene Häuser-Strang Marken-Strang
Stiftung Stichting INGKA Foundation Inter IKEA Foundation
Sitz der Stiftung Niederlande Liechtenstein
Seit 1982 2023 (zuvor Interogo Foundation)
Holding Ingka Holding B.V., Leiden Inter IKEA Holding B.V.
Operativ IKEA Retail, Ingka Centres, Ingka Investments Inter IKEA Systems B.V. (Franchisegeber)
Aufgabe betreibt Einrichtungshäuser besitzt Marke und Konzept
Umsatz 2025 41,5 Mrd. Euro 26,3 Mrd. Euro

Was besitzt die Familie Kamprad heute noch?

Von IKEA nichts. Ingvar Kamprad, der das Unternehmen 1943 mit 17 Jahren gründete, gab das Eigentum 1982 ab; er starb im Januar 2018. Das Vermögen der Familie steckt stattdessen in der Ikano Group, einem eigenständigen Konzern mit Bank- und Immobiliengeschäft, der ausserdem in einigen südostasiatischen Märkten selbst IKEA-Häuser als Franchisenehmer betreibt. Mitglieder der Familie sitzen zudem in den Gremien beider Stiftungen, halten dort aber jeweils nur eine Minderheit der Sitze.

Warum hat Kamprad diese Konstruktion gewählt?

Zwei Gründe werden genannt, ein offizieller und ein umstrittener. Offiziell geht es um Unabhängigkeit: Eine Stiftung ohne Eigentümer kann nicht übernommen, nicht verkauft und nicht an die Börse gebracht werden. IKEA formuliert das gern als Fähigkeit, in Generationen statt in Quartalen zu denken.

Der zweite Grund betrifft Steuern, und da wird es kontrovers. Die Franchisegebühren aller IKEA-Häuser landen bei einer niederländischen Gesellschaft. Die EU-Kommission leitete im Dezember 2017 ein Beihilfeverfahren ein, weil zwei niederländische Steuervorbescheide aus den Jahren 2006 und 2011 die steuerpflichtigen Gewinne erheblich gemindert haben sollen. Die damalige Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sprach von künstlicher Gewinnverlagerung. IKEA wies die Vorwürfe zurück und erklärte, in allen Ländern seinen steuerlichen Pflichten nachzukommen. Eine abschließende Entscheidung ist nach öffentlich zugänglichem Stand bis heute nicht veröffentlicht.

Wem gehört IKEA in Deutschland?

Praktisch wenig, gedanklich einiges. Wenn du in eines der 55 deutschen Einrichtungshäuser fährst, betrittst du einen Betrieb der Ingka Group. Die deutsche Landesgesellschaft sitzt in Hofheim-Wallau bei Wiesbaden. Von jedem Euro, den du dort lässt, gehen drei Prozent des Nettoumsatzes an die Markeneigentümerin in den Niederlanden. Der Rest bleibt zunächst bei Ingka – und wird zu 85 Prozent wieder investiert, weil es keine Aktionäre gibt, die eine Ausschüttung verlangen.

Wer vergleichen will: Bei Migros und Coop gehört das Unternehmen den Kundinnen und Kunden selbst, über eine Genossenschaft mit Millionen Mitgliedern. Bei DPD steht am Ende der Kette ein Staat, bei GLS ein Milliardär. IKEA ist der dritte Fall: eine Konstruktion, die niemandem gehört und genau deshalb niemand übernehmen kann.

Häufig gestellte Fragen

Wem gehört IKEA heute?

Zwei Stiftungen. Die Stichting INGKA Foundation in den Niederlanden besitzt die Ingka Group, die die Einrichtungshäuser betreibt. Die Inter IKEA Foundation in Liechtenstein besitzt die Inter IKEA Group mit der Marke und dem Franchise-System.

Gehört IKEA noch der Familie Kamprad?

Nein. Ingvar Kamprad übertrug das Eigentum 1982 an die Stichting INGKA Foundation. Das Vermögen der Familie liegt heute in der Ikano Group, einem separaten Konzern mit Bank- und Immobiliengeschäft.

Ist IKEA börsennotiert?

Nein, und das ist konstruktionsbedingt ausgeschlossen. Stiftungen ohne Eigentümer können keine Anteile ausgeben. Ein Börsengang oder eine Übernahme sind damit rechtlich nicht möglich.

Was ist die Interogo Foundation?

Bis zum 31. August 2023 war sie Eigentümerin des IKEA-Markengeschäfts. Seit der Aufspaltung besitzt sie nur noch die Interogo Holding AG, das reine Investmentgeschäft. Für IKEA ist heute die Inter IKEA Foundation zuständig.

Wie viel verdient IKEA an den Franchisegebühren?

Jeder Franchisenehmer zahlt drei Prozent seines Nettoumsatzes an Inter IKEA Systems B.V. Die Inter IKEA Group kam im Geschäftsjahr 2025 auf 26,3 Milliarden Euro Gesamtumsatz, nach 26,5 Milliarden im Vorjahr.

Wem gehören die IKEA-Häuser in Deutschland?

Alle 55 deutschen Einrichtungshäuser werden von der Ingka Group betrieben, der deutschen Landesgesellschaft mit Sitz in Hofheim-Wallau. Eigentümerin ist damit die Stichting INGKA Foundation.

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Fazit

Die Frage „Wem gehört IKEA“ führt zu einer Antwort, die es bei kaum einem anderen Weltkonzern gibt: Es gibt keinen Eigentümer im üblichen Sinn. Zwei Stiftungen ohne wirtschaftlich Berechtigte halten die beiden Hälften des Geschäfts, und beide sind so gebaut, dass sich daran auch nichts ändern lässt. Das schützt vor Übernahmen und erlaubt lange Investitionszyklen. Es entzieht die Konstruktion aber auch weitgehend der Kontrolle, die bei börsennotierten Unternehmen über Aktionäre und Offenlegungspflichten läuft. Beides gehört zur Antwort.