Wirtschaft

Wem gehört MyHammer? Vom Berliner Start-up zum US-Konzern

Handwerker prüft eine Auftragsanfrage auf dem Tablet in seiner Werkstatt

Wem gehört MyHammer? Deutschlands bekanntestes Handwerker-Portal ist längst kein deutsches Unternehmen mehr: MyHammer gehört zur Instapro-Gruppe – und die hängt über die US-Plattform Angi am amerikanischen Internetkonzern IAC aus New York. Der Weg dorthin ist ein Lehrstück deutscher Internet-Geschichte: 2016 verkauften die Verlagsgruppe Holtzbrinck und ein Investmentvehikel der Samwer-Brüder ihre Anteile an die Amerikaner, 2021 verschwand die Aktie von der Börse, 2022 wurde die MyHammer Holding auf die Düsseldorfer Instapro II AG verschmolzen – und 2024 wurden die letzten Kleinaktionäre per Squeeze-out hinausgedrängt.

Das Wichtigste in Kürze
  • MyHammer gehört zur Instapro-Gruppe – dahinter stehen die US-Plattform Angi und der New Yorker Internetkonzern IAC
  • 2016 verkauften Holtzbrinck und die Samwer-Brüder an IACs HomeAdvisor; 2021 folgte das Börsen-Delisting, 2024 der Squeeze-out der letzten Kleinaktionäre
  • Schwester-Portale in Europa: Werkspot (NL), Travaux.com (FR), MyBuilder (UK) und Instapro (IT)
  • Geld verdient das Portal auf der Handwerker-Seite: Betriebe zahlen für Kontakte und Mitgliedschaften – für Auftraggeber ist die Nutzung kostenlos

Vom Berliner Start-up zum US-Konzernteil: die Eigentümer-Kette

MyHammer startete Mitte der 2000er in Berlin und machte die Online-Vergabe von Handwerksaufträgen in Deutschland populär – zeitweise als börsennotierte MyHammer Holding AG, an der die Stuttgarter Verlagsgruppe Holtzbrinck und die Beteiligungsfirma Global Founders Capital der Samwer-Brüder (Zalando, Rocket Internet) massgeblich beteiligt waren. Im Oktober 2016 verkauften beide an HomeAdvisor, die Heimwerker-Sparte des US-Konzerns IAC, der 2017 durch die Fusion mit Angie’s List den börsennotierten Plattform-Riesen Angi formte. Es folgte das Drehbuch vieler Übernahmen: Delisting-Angebot über 22,02 Euro je Aktie im Sommer 2021, Börsenabschied im August 2021, Verschmelzung auf die Instapro II AG 2022 – und im Juni 2024 der Squeeze-out, gegen dessen Konditionen Minderheitsaktionäre bis heute in Spruchverfahren vorgehen.

Die Instapro-Familie: Ein Netz über Europa

MyHammer ist der deutsch-österreichische Arm einer europaweiten Plattform-Familie: Unter dem Instapro-Dach laufen ausserdem Werkspot in den Niederlanden, Travaux.com in Frankreich, MyBuilder in Grossbritannien und Instapro in Italien – alle nach demselben Prinzip, alle mit derselben US-Konzernmutter im Rücken. Für den deutschen Markt heisst das: Die strategischen Entscheidungen über das grösste Handwerker-Portal des Landes fallen letztlich in New York.

Wie MyHammer Geld verdient – und was das für Handwerker heisst

Für Auftraggeber ist MyHammer kostenlos – bezahlt wird das Modell von der anderen Seite: Handwerksbetriebe kaufen den Zugang zu Auftrags-Kontakten beziehungsweise Mitgliedschaften, um auf Ausschreibungen reagieren zu können. Das kann sich für auslastungshungrige Betriebe rechnen, bedeutet aber laufende Kosten pro Kontakt – unabhängig davon, ob daraus ein Auftrag wird. Viele Betriebe fahren deshalb zweigleisig: Vermittlungsportale für die kurzfristige Auslastung, dazu kostenlose Sichtbarkeit über das eigene Google-Profil und Verzeichnis-Einträge, bei denen Kundenanfragen ohne Kontaktgebühr direkt ankommen – wie der kostenlose Firmeneintrag hier im Verzeichnis mit seinen Handwerks-Kategorien nach Stadt.

Häufige Fragen

Ist MyHammer ein deutsches Unternehmen?

Operativ sitzt MyHammer weiterhin in Berlin – die Eigentümer-Kette führt aber über die Instapro-Gruppe und Angi zum US-Internetkonzern IAC nach New York.

Ist MyHammer noch an der Börse?

Nein. Die MyHammer Holding AG verliess im August 2021 die Börse, wurde 2022 auf die Instapro II AG verschmolzen, und 2024 wurden die verbliebenen Kleinaktionäre per Squeeze-out abgefunden – die Angemessenheit wird noch gerichtlich geprüft.

Was kostet MyHammer für Handwerker?

Auftraggeber zahlen nichts; Handwerksbetriebe zahlen für Auftrags-Kontakte beziehungsweise Mitgliedschaften. Die konkreten Konditionen nennt das Portal den Betrieben direkt – kalkulieren sollte man die Kosten pro Kontakt gegen die tatsächliche Auftragsquote.

Wem gehören Werkspot, MyBuilder und Travaux.com?

Denselben Eigentümern: Alle gehören zur Instapro-Gruppe unter dem Dach von Angi beziehungsweise IAC – MyHammer ist der deutsch-österreichische Teil dieser europäischen Plattform-Familie.

Gibt es Alternativen zu MyHammer?

Neben weiteren Vermittlungsportalen vor allem die direkte Suche: Branchenverzeichnisse und Kategorien nach Stadt führen ohne Vermittlungsstufe zum Betrieb – für Handwerker entsprechend ohne Kontaktgebühren.

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