Westbalkanregelung Baugewerbe: Kürzung bedroht 8.000 Jobs

Die Westbalkanregelung Baugewerbe steht vor einem Einschnitt: Ab dem 1. Januar 2027 will die Bundesregierung das jährliche Visa-Kontingent für Arbeitskräfte aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien von 50.000 auf 25.000 halbieren. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) warnt, dass allein im Baugewerbe bis Jahresende rund 8.000 Arbeitskräfte wegfallen könnten – rund 30 Prozent aller Visa gehen bislang in die Bauwirtschaft.
Was ist die Westbalkanregelung, und was ändert sich 2027?
Die Westbalkanregelung erlaubt Menschen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien seit 2016 die Arbeit in Deutschland, sofern ein Arbeitsvertrag vorliegt – unabhängig von der Qualifikation. Ab dem 1. Januar 2027 sinkt das jährliche Kontingent von 50.000 auf 25.000 Visa. Die Bundesregierung begründet den Schritt mit einer stärkeren Steuerung der Arbeitsmigration, Wirtschaftsverbände befürchten spürbare Engpässe in Branchen mit hohem Anteil ausländischer Fachkräfte.
Wie stark trifft die Kürzung das Baugewerbe?
Keine Branche nutzt die Westbalkanregelung so intensiv wie das Baugewerbe: Laut ZDB gehen rund 30 Prozent aller vergebenen Visa in die Bauwirtschaft, jeder siebte Beschäftigte auf dem Bau hat einen ausländischen Pass. Der Verband beziffert das Risiko auf bis zu 8.000 wegfallende Arbeitskräfte bis Ende des Jahres.
| Kenngröße | Wert |
|---|---|
| Kontingent bis 31.12.2026 | 50.000 Visa/Jahr |
| Kontingent ab 1.1.2027 (geplant) | 25.000 Visa/Jahr |
| Anteil der Bauwirtschaft an den Visa | rund 30 Prozent |
| Von der ZDB erwarteter Rückgang bis Jahresende | rund 8.000 Arbeitskräfte |
| Tätige Personen, Bauhauptgewerbe ab 20 Beschäftigten (Destatis, Juni 2026) | 545.000 |
| Handwerk-&-Bau-Anbieter im WMW-Verzeichnis (Stand 25.09.2026) | 14.280 |
Setzt man die von der ZDB prognostizierten 8.000 fehlenden Arbeitskräfte in Bezug zu den 545.000 Beschäftigten, die das Statistische Bundesamt für Betriebe des Bauhauptgewerbes mit 20 und mehr Mitarbeitenden für Juni 2026 auswies, entspricht das rechnerisch rund 1,5 Prozent dieses Marktsegments – das gesamte Bauhauptgewerbe inklusive kleinerer Betriebe ist deutlich größer, der tatsächliche Anteil dürfte also niedriger liegen. (Lesen Sie auch: Fachkräftemangel: Welche Branchen 2026 besonders betroffen sind)
Wie reagiert die Branche auf die geplante Kürzung?
Scharfe Kritik kommt vom Verband selbst: „Auf dem Bau hat jeder siebte Beschäftigte einen ausländischen Pass. Für die Baubranche ist die Regelung das erfolgreichste Modell zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus Drittstaaten“, erklärte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa laut der Verbandsmitteilung vom 24. September 2026. Er verweist zudem auf einen Widerspruch in der Investitionspolitik des Bundes: „Der Bund stellt mit dem Sondervermögen Milliarden für Brücken, Schienen und Wohnungen bereit und kürzt gleichzeitig den Zugang genau für die Menschen, die diese Projekte bauen sollen. Das passt nicht zusammen.“
Wie geht es jetzt weiter?
Bis zum Inkrafttreten am 1. Januar 2027 bleibt das aktuelle Kontingent von 50.000 Visa gültig – Betriebe, die noch für 2026 planen, sollten frühzeitig handeln. Schon 2025 war das Kontingent laut ZDB bereits Ende November ausgeschöpft, offene Anträge mussten abgelehnt werden. Die Bundesagentur für Arbeit erteilte im selben Jahr rund 105.000 Zustimmungen – mehr als das Kontingent selbst, weil lange Wartezeiten bei Visastellen im Ausland dazu führen, dass nicht jede Zustimmung tatsächlich zu einer Einreise führt. (Lesen Sie auch: Arbeitszeiterfassung Handwerksbetrieb: Diese Pflichten gelten 2026)
📌 Gut zu wissen
Bauunternehmen, die noch für 2026 Fachkräfte über die Westbalkanregelung einstellen möchten, sollten Anträge frühzeitig stellen – das Kontingent war im Vorjahr bereits im November ausgeschöpft. Im WMW-Branchenverzeichnis Handwerk & Bau finden Betriebe Partner- und Nachunternehmer aus der Region.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Westbalkanregelung?
Die Westbalkanregelung Baugewerbe-Debatte dreht sich um eine Regel, die Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien-Herzegowina, dem Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien die Arbeitsaufnahme in Deutschland, wenn ein konkreter Arbeitsvertrag vorliegt – unabhängig von einer formalen Qualifikation.
Wie viele Visa gehen aktuell in die Bauwirtschaft?
Rund 30 Prozent aller über die Westbalkanregelung vergebenen Visa entfallen laut ZDB auf das Baugewerbe – keine andere Branche nutzt das Kontingent so stark.
Wann tritt die Kürzung in Kraft?
Die Bundesregierung plant die Halbierung des Kontingents von 50.000 auf 25.000 Visa pro Jahr zum 1. Januar 2027. Bis dahin gilt das bisherige Kontingent.
Was bedeutet die Kürzung für Bauunternehmen?
Der ZDB warnt vor bis zu 8.000 wegfallenden Arbeitskräften im Baugewerbe bis Jahresende und vor Verzögerungen bei öffentlich finanzierten Infrastrukturprojekten wie Brücken, Schienen und Wohnungsbau.
Wo finden Bauunternehmen weitere Fachkräfte und Partnerbetriebe?
Neben der reduzierten Westbalkanregelung bleibt die Vernetzung mit Nachunternehmern wichtig. Das WMW-Verzeichnis Handwerk & Bau listet bundesweit 14.280 Anbieter.
Sie führen einen Handwerks- oder Baubetrieb?
Quellen: Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), Pressemitteilung über Presseportal (ots), 24.09.2026, abgerufen am 25.09.2026 · Statistisches Bundesamt, Konjunkturindikatoren Bauhauptgewerbe, Stand Juni 2026, abgerufen am 25.09.2026.