Das H-Kennzeichen bekommt ein Fahrzeug, dessen Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegt, das weitgehend im Originalzustand ist und ein Gutachten nach § 23 StVZO vorweist. Der Hauptvorteil ist die pauschale Kfz-Steuer: 191,73 Euro im Jahr für Pkw, 46,02 Euro für Krafträder – unabhängig von Hubraum, Abgasnorm und CO₂-Ausstoß. Dazu kommt die freie Einfahrt in alle Umweltzonen ohne Plakette. Die Begutachtung umfasst eine vollständige Hauptuntersuchung plus die Bewertung von Originalität, Erhaltungs- und Pflegezustand. Zeitgenössische Umbauten sind erlaubt, moderne nicht.
H-Kennzeichen: Voraussetzungen, Steuerpauschale und wann es sich lohnt

- Maßgeblich ist die Erstzulassung, nicht das Herstellungsjahr. Ein 1995 gebautes Auto, das erst 1997 zugelassen wurde, wird nicht 2025 H-fähig, sondern 2027.
- Kfz-Steuer pauschal 191,73 Euro pro Jahr (Pkw) beziehungsweise 46,02 Euro (Krafträder), geregelt in § 9 KraftStG.
- Freie Fahrt in Umweltzonen ohne Umweltplakette, auch ohne Katalysator.
- Das Gutachten nach § 23 StVZO ist etwas anderes als ein Wertgutachten – es bewertet den Zustand, nicht den Marktwert.
- Laut Kraftfahrt-Bundesamt waren 2020 bereits 343.230 Pkw mit H-Kennzeichen zugelassen. Ursprünglich war die Regelung für rund 135.000 Fahrzeuge gedacht.
Welche Voraussetzungen gelten für das H-Kennzeichen?
Drei Bedingungen müssen zusammenkommen. Erstens muss die Erstzulassung mindestens 30 Jahre zurückliegen – tagesgenau, nicht jahresweise. Zweitens muss das Fahrzeug vornehmlich der Pflege des kraftfahrzeugtechnischen Kulturguts dienen. Drittens braucht es einen guten Erhaltungszustand und weitgehende Originalität.
Der zweite Punkt wird oft überlesen, ist aber der Grund, warum das H-Kennzeichen politisch unter Beobachtung steht. Der Bundesrechnungshof hat kritisiert, dass viele H-Fahrzeuge als Alltagsautos genutzt werden – was der Intention der Regelung widerspricht. Eine Änderung ist nicht beschlossen, aber die Diskussion läuft.
Zeitgenössisches Tuning ist zulässig: Umbauten, die zur Bauzeit üblich und verfügbar waren, gefährden das H-Kennzeichen nicht. Sicherheitsgurte gelten ausdrücklich als erlaubte Nachrüstung. Moderne Felgen, LED-Scheinwerfer oder ein Nachrüst-Navigationssystem dagegen sind Ausschlussgründe.
Was prüft der Sachverständige nach § 23 StVZO?
Die Begutachtung besteht aus zwei Teilen. Der erste ist eine vollständige Hauptuntersuchung im Umfang des § 29 StVZO – technisch muss das Fahrzeug also verkehrssicher sein wie jedes andere auch. Der zweite Teil bewertet Originalität, Erhaltungszustand und Pflegezustand nach einem Bewertungsmuster.
Angeschaut werden Karosserie und Lack, Innenraum, Motorraum, Fahrwerk und Anbauteile. Entscheidend ist nicht, ob alles perfekt glänzt, sondern ob der Gesamteindruck dem Originalzustand entspricht. Ein sauber restauriertes Fahrzeug besteht, ein zusammengeschraubtes Teileauto in der Regel nicht.
Verwechseln Sie das nicht mit dem Wertgutachten. Das eine entscheidet über die Zulassung, das andere über die Versicherungssumme – und beide kosten unterschiedlich viel.
Rechnen Sie vor dem Gutachtentermin nach, was Sie aktuell an Kfz-Steuer zahlen. Liegt der Betrag unter 191,73 Euro, kostet Sie das H-Kennzeichen Geld statt es zu sparen – dann bleiben nur Umweltzone und Versicherungstarif als Argument.
Wie viel sparen Sie mit dem H-Kennzeichen wirklich?
Die Ersparnis hängt allein am Hubraum und an der Abgasnorm. Die Pauschale nach § 9 Kraftfahrzeugsteuergesetz beträgt 191,73 Euro und ersetzt die reguläre Berechnung.
Bei einem großvolumigen Achtzylinder ohne Katalysator ist das eine Ersparnis im vierstelligen Bereich pro Jahr. Bei einem 1,3-Liter-Kleinwagen mit geregeltem Kat kann die reguläre Steuer dagegen deutlich unter der Pauschale liegen – dann zahlen Sie mit H-Kennzeichen drauf.
Rechnen Sie also gegen: aktuelle Steuer, Gutachtenkosten einmalig, Zulassungsgebühr. Erst dann steht fest, ob sich das H-Kennzeichen für Ihr Fahrzeug lohnt oder nur schön aussieht.
Wann ist das 07er-Kennzeichen die bessere Wahl?
Für Sammler mit mehreren Fahrzeugen. Das rote 07er-Kennzeichen gilt für beliebig viele Oldtimer, die jeweils mindestens 30 Jahre alt sind und ein gültiges Gutachten haben. Die Steuer entspricht der des H-Kennzeichens.
Der Preis dafür ist die Einschränkung: Erlaubt sind nur Probe-, Überführungs- und Werkstattfahrten sowie die An- und Abfahrt zu Oldtimer-Veranstaltungen. Jede Fahrt muss mit Datum, Uhrzeit, Strecke und Zweck im Fahrtenbuch stehen.
Wer ein einziges Fahrzeug hat und damit auch mal spontan zum Bäcker fährt, ist mit dem H-Kennzeichen richtig. Wer fünf Klassiker in der Halle stehen hat und sie zu Treffen bewegt, spart mit 07 erheblich.
Was bringt das H-Kennzeichen bei der Versicherung?
Zugang zu Spezialtarifen. Viele Oldtimerversicherer setzen ein H-Kennzeichen oder zumindest ein Wertgutachten voraus, bevor sie einen Klassikertarif anbieten. Diese Tarife rechnen mit geringer Jahresfahrleistung und Unterstellung in einer abgeschlossenen Garage.
Prüfen Sie dabei zwei Punkte: Ist der Versicherungswert als Wiederbeschaffungs- oder als Marktwert vereinbart, und welche Kilometerbegrenzung gilt? Wer die vereinbarte Fahrleistung überschreitet, riskiert im Schadenfall Diskussionen. Ein Alltagsauto lässt sich über einen Oldtimertarif nicht sinnvoll versichern.
Häufig gestellte Fragen
Zählt das Baujahr oder die Erstzulassung?
Die Erstzulassung. Sie steht im Fahrzeugschein unter Ziffer B. Zwischen Produktion und Zulassung liegen manchmal ein bis zwei Jahre – die verschieben den Termin für das H-Kennzeichen entsprechend nach hinten.
Muss ich trotz H-Kennzeichen zur Hauptuntersuchung?
Ja. Die Oldtimerbegutachtung ersetzt die HU nur beim ersten Mal, danach gilt der normale Zweijahresrhythmus. Ein H-Kennzeichen befreit von keiner Prüfpflicht.
Darf ich einen Oldtimer mit H-Kennzeichen täglich fahren?
Rechtlich gibt es keine Kilometerbegrenzung. Die Regelung ist allerdings für die Pflege historischen Kulturguts gedacht, und Ihr Versicherungstarif enthält meist sehr wohl eine Begrenzung.
Was kostet das Gutachten?
Das hängt von Prüforganisation, Fahrzeugtyp und Aufwand ab. Ein Gutachten nach § 23 StVZO ist deutlich günstiger als ein umfassendes Wertgutachten. Holen Sie zwei Angebote ein und fragen Sie, ob die Hauptuntersuchung enthalten ist.
Was passiert bei nicht zeitgenössischen Umbauten?
Der Sachverständige verweigert die Einstufung. Sie können die Teile zurückbauen und erneut vorführen – das kostet allerdings ein zweites Mal Gutachtengebühr.
Gilt das H-Kennzeichen auch für Motorräder und Lkw?
Ja, die Einstufung als Oldtimer umfasst alle Fahrzeuggattungen. Für Krafträder gilt die niedrigere Steuerpauschale von 46,02 Euro, für alle übrigen Fahrzeuge der Satz von 191,73 Euro.
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Klassikertarife unterscheiden sich stark bei Fahrleistung, Unterstellung und Wertermittlung. Anbieter finden Sie im Branchenverzeichnis nach Ort sortiert.
Weitere Ratgeber rund ums Fahrzeug: TÜV Mängel und ihre Folgen, Blitzer und Fehlmessungen sowie der Führerschein B96. Alle Branchen im Überblick gibt es unter Branchen. Sie betreiben eine Werkstatt für Klassiker? Dann tragen Sie sie kostenlos ein. Zulassungszahlen veröffentlicht das Kraftfahrt-Bundesamt.
Fazit
Das H-Kennzeichen ist kein Selbstläufer. Bei großem Hubraum ohne Katalysator spart es vierstellig, bei einem kleinen Motor mit sauberer Abgasnorm kostet es. Prüfen Sie zuerst Ihren aktuellen Steuerbescheid, dann den Zustand des Fahrzeugs, dann die Versicherungstarife. Und behalten Sie die Erstzulassung im Blick: Sie ist tagesgenau maßgeblich. Ein am 15. November 1996 zugelassenes Fahrzeug wird nicht am 1. Januar 2026 H-fähig, sondern am 15. November 2026.